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Unternehmen & Marken
28.08.2015

Industrie 4.0: Große Potenziale für den Mittelstand

Industrie 4.0 ist nicht allein den großen Konzernen vorbehalten. Auch der Mittelstand muss offensiver auf Industrie 4.0-Technologien zugehen, nutzt das vorhandene Potenzial jedoch nur zögerlich, so Ergebnisse einer Studie der Agiplan GmbH, der ZENIT GmbH und des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik IML namens »Erschließen der Potenziale der Anwendung von ‚Industrie 4.0‘ im Mittelstand«. Im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie ordneten die Studienverfasser Industrie-4.0-Technologien nach ihrem Reifegrad ein und glichen sie mit der Nachfrage im Mittelstand ab.

Die Vision des volldigitalisierten Industrie-4.0-Unternehmens liegt laut den Autoren der Studie für den deutschen Mittelstand zwar noch in weiter Ferne, erste Umsetzungsschritte könnten jedoch gemacht werden. Die Chancen für mehr Wettbewerbsfähigkeit seien erkannt und einige Technologien bereits marktreif; sie würden aber noch zu selten eingesetzt. Das gelte vor allem für die Bereiche Datenverarbeitung und Assistenzsysteme. Daten würden bereits in den meisten Unternehmen erfasst - sie sind die Grundlage für Industrie 4.0. Doch es werde noch zu wenig Nutzen aus den Daten gezogen. Assistenzsysteme reduzierten Fehler und steigerten die Produktivität. Solche Systeme könnten in Produktion und Logistik schon angewendet werden.

Um eine Zusammenarbeit über Bereichs- und Unternehmensgrenzen hinweg zu etablieren, müssten Unternehmen einen einheitlichen Informationsaustausch und eine durchgehende Kommunikationsstruktur aufbauen. Autonome Maschinen und sich selbst organisierende Prozesse seien bisher nur in Teilanwendungen möglich. Solche Schrittmacher-Technologien, die sich erst in der Forschungsphase befinden, spielten im Mittelstand gar keine Rolle.  

Die Studie gibt abschließend Empfehlungen an Forschung, Politik und Wirtschaft. Forschungsansätze, die neue Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsmuster aufzeigen, indem sie Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette verknüpfen, sollten stärker berücksichtigt werden.

Die Politik wird aufgefordert, Rahmenbedingungen für Industrie 4.0 zu schaffen, vor allem in der IT- und Rechtssicherheit, der Qualifizierung von Fachkräften, der IT-Infrastruktur sowie bei Standards und Normierung. Gleichzeitig sollte sie den Mittelstand mobilisieren. Kompetenzzentren könnten den Technologietransfer in die Praxis begleiten.

Um den Anschluss nicht zu verlieren, sollten die Unternehmen eine aktivere Rolle bei der Umsetzung von Industrie 4.0 einnehmen. Aktuell sehen die Autoren der Studie Zurückhaltung auf Seiten der Unternehmen, weil sie sich der Möglichkeiten noch nicht bewusst sind und vor den neuen Technologien und dem nötigen Know-how zurückschrecken.

(tor)