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Unternehmen & Marken
07.12.2017

Deutsche mit teils grober Falsch-Selbsteinschätzung

In 38 Ländern schätzte die Bevölkerung in einer Studie des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Ipsos Zahlen zu gesundheits- und gesellschaftsrelevanten Themen in ihrem Land – und lag dabei teilweise ziemlich daneben. In Deutschland wurde vor allem der Anteil der Teenagerschwangerschaften oder der Diabeteskranken überschätzt. Unterschätzt wurde dagegen die Religiosität der Bevölkerung: An Gott würden nach Meinung der Mitbürger weit weniger Deutsche glauben, als es der Fall ist. Auch bei anderen Fragen liegen die Bundesbürger manchmal ganz schön daneben - manchmal aber treffen sie auch auf den Punkt:

1. Mordrate: Ein Drittel (32%) der Deutschen denkt, die Mordrate im Land sei im Vergleich zum Jahr 2000 gestiegen, 42 Prozent glauben, sie sei gleichgeblieben. Dass sie gesunken ist, schätzen dagegen nur 14 Prozent. Dabei entspricht letzteres: Im Vergleich zum Jahr 2000 gibt es 33 Prozent weniger Morde.

2. Terrorismus: Knapp die Hälfte (44%) der Deutschen mutmaßen, dass es in den Jahren nach dem 11. September von 2002 bis 2016 mehr Todesopfer auf Grund von terroristischen Anschlägen in Deutschland gegeben habe als in der Zeit zwischen 1985 und 2000. In Wirklichkeit ist die Zahl von 51 auf 36 gesunken. Richtig lagen damit nur 8 Prozent der Befragten, die eine Abnahme prognostizierten. Ein Drittel (34%) gab immerhin an, die Opferzahl wäre gleichgeblieben.

3. Ausländische Gefängnisinsassen: 45 Prozent der Häftlinge in deutschen Gefängnissen sind nach Meinung der Deutschen Immigranten. Tatsächlich sind es allerdings drei von zehn (31,3%).

4. Allgemeiner Gesundheitszustand: Die Deutschen schätzen den Gesundheitszustand ihrer Mitmenschen schlechter ein, als diese es selbst tun. Statt der von den Befragten geschätzten 56 Prozent gaben nämlich knapp zwei Drittel (65%) der Deutschen an, bei guter oder sehr guter Gesundheit zu sein.

5. Diabetes: Die Anzahl der Diabeteskranken im Alter von 20 bis 79 Jahren in Deutschland wird von den Bundesbürgern weit überschätzt. Lediglich 7 Prozent leiden an der Zuckerkrankheit, durchschnittlich vermutet werden jedoch ganze 31 Prozent.

6. Teenagerschwangerschaften: Durchschnittlich bringen in Deutschland jährlich 0,6 Prozent der 15- bis 19-jährigen Mädchen und jungen Frauen ein Kind zur Welt. Bei dieser Frage lagen die Deutschen mit ihrer Schätzung ganz schön daneben – ihrer Meinung nach sind es nämlich 16 Prozent.

7. Alkohol: Die Deutschen haben weltweit den Ruf, gerne einmal ins Glas zu schauen. Danach gefragt, wer weltweit am meisten Alkohol konsumiere, wurde Deutschland von allen Ländern am dritthäufigsten genannt (28%). Damit haben die Befragten den Nagel auf den Kopf getroffen, denn tatsächlich liegen wir im weltweiten Vergleich mit 11,03 Litern pro Einwohner pro Jahr auf Platz drei im weltweiten Ranking. Nur die Franzosen und die Belgier trinken mehr. Immerhin ein Drittel (36%) der Deutschen schätzte den Durst der Landsleute richtig ein und votete das eigene Land als eines der drei Länder mit dem höchsten Alkoholkonsum.

8. Zucker: Auch beim Zuckerkonsum kommen die Deutschen im weltweiten Ranking nicht besser weg: Wiederum schätzten die Weltbürger, dass der Zuckerkonsum pro Kopf bei den Deutschen am dritthöchsten ist. In Wirklichkeit liegen wir mit einem Konsum von 103 Gramm pro Tag sogar auf Platz 2 im weltweiten Ranking. Immerhin 60 Prozent der Deutschen wissen um die Zuckervorliebe und schätzten das eigene Land ganz richtig in die Top 3.

9. Smartphonebesitzer: Der Trend zu „Mobile Only“ scheint in den Köpfen der Deutschen angekommen zu sein. Sie überschätzen die Zahl der Deutschen, die ein Smartphone besitzen, um einiges: Statt 86 Prozent nennen nur 69 Prozent der deutschen Bevölkerung ein Smartphone ihr Eigen.

10. Facebook-Mitglieder: Facebook ist überall – zumindest ist das der Eindruck der Deutschen. Ihrer Meinung nach müssten 72 Prozent ihrer Mitmenschen einen Account bei Facebook haben. Tatsächlich ist es nur ein Drittel (34%) der Bevölkerung.   

11. Glaube an Himmel, Hölle und Gott: Mit ihrer Einschätzung, wer von ihren Mitbürgern an den Himmel glaubt, liegen die Deutschen fast richtig: Statt der durchschnittlich angegebenen 31 Prozent sind es 28 Prozent. Der Glaube an die Hölle ist bei den Deutschen dagegen weniger verbreitet. 20 Prozent würden an das Fegefeuer glauben, gaben die Befragten an. Tatsächlich sind es 8 Prozent. Die Anzahl ihrer Mitbürger, die an Gott glauben, unterschätzen die Deutschen dagegen stark. Statt 23 Prozent sind es in Wirklichkeit 45 Prozent.

Die Ergebnisse stammen aus der Studie „Perils of Perception“, die zwischen dem 28. September und 19. Oktober 2017 unter 29.133 Befragten in 38 Ländern durchgeführt wurde.

(tor)