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Unternehmen & Marken
17.05.2018

Gesellschaftliches Engagement oft zu wenig professionalisiert

Die häufigste Form, sich gesellschaftlich zu engagieren, ist für Unternehmen die Geldspende (Quelle: 'Corporate Citizenship Survey 2018')

Sport ist der am häufigsten genannte Engagementbereich von Unternehmen in Deutschland (Quelle: 'Corporate Citizenship Survey 2018')

Wirkung des Engagements hat kaum eine Relevanz (Quelle: 'Corporate Citizenship Survey 2018')

Ein guter Ruf bzw. Schutz der eigenen Marke ist in der Breite der deutschen Unternehmenslandschaft der am häufigsten genannte Mehrwert von Unternehmensengagement (Quelle: 'Corporate Citizenship Survey 2018')

Zwei von drei deutschen Unternehmen engagieren sich für gesellschaftliche Belange – beispielsweise für ihre Region oder eine gelungene Integration. Neun von zehn Unternehmensvertretern sind der Mei­nung, Unternehmen sollten als Vorbilder wieder stärkere Verantwortung für die Gesellschaft über­nehmen. Doch die meisten Firmen professionalisieren ihren sozialen Einsatz nicht. Ein Grund könnte die fehlende Anerkennung von Gesellschaft und Politik sein.

Das ist ein Ergebnis einer repräsentati­ven Umfrage in der deutschen Wirtschaft, die der Stifterverband in Zusammenarbeit mit der Bertels­mann Stiftung und weiteren Partnern durchgeführt hat. In der Studie wurden mehr als 100.000 zufällig ausgewählte Unternehmen zu ihrem gesellschaftlichen Engagement befragt. Mehr als 7.000 von ihnen haben geantwortet.

Großes Engagement, aber Ziele und Strategien fehlen

Als wichtige gesellschaftliche Herausforderungen vor Ort benennen die Unternehmen eine ganze Reihe von Themen: die Gestaltung einer lebenswerten Region (18 Prozent), die Folgen des demogra­fischen Wandels (15 Prozent), gelungene Integration (14 Prozent), die Reduzierung von Armut (zwölf Prozent) sowie der Schutz von Klima und Umwelt (zehn Prozent).

Die am weitesten verbreitete Form, sich gesellschaftlich zu engagieren, ist die Geldspende (80 Pro­zent). Auf Platz zwei rangieren Sachspenden (70 Prozent), gefolgt von Mitarbeiterfreistellungen (56 Prozent).

Großes Engagement, aber Ziele und Strategien fehlen

Großunternehmen nutzen diese und weitere Engagementformen wie eine nachhaltige Geldanlage oder eigene gesellschaftliche Projekte unter Einbindung der eigenen Mitarbeiter, heißt es in der Studie. Sie en­gagierten sich somit zielorientierter als kleinere Unternehmen - und das vor allem im Bildungs- oder Wissenschaftsbereich. Bei kleineren Mittelständlern sei die Entscheidung für den gesellschaftli­chen Einsatz dagegen oftmals abhängig vom Engagement der Mitarbeiter. Sie seien vor allem im Sport (z.B. Spende für den lokalen Fussballverein) oder im Bereich Freizeit und Geselligkeit (z.B. Mitarbei­tereinsatz auf Bürgerfesten) aktiv.

Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass das Engagement der meisten Unternehmen nicht strate­gisch verankert ist. Selten gibt es eine unternehmerische Zielsetzung mit Blick auf gesellschaftliches Engagement. Nur wenige Unternehmen wissen zudem, wie ihr Engagement wirkt: Selbst unter gro­ßen Unternehmen mit mehr als 10.000 Mitarbeitern geben nur 16 Prozent an, dass sie ihr gesell­schaftliches Engagement evaluieren.

In vielen Fällen findet Engagement außerdem in nicht kooperativen Strukturen statt, sondern als ein­zelne Entscheidung des Unternehmers. Wer regelmäßig kooperiert, tut dies mit lokalen Vereinen (48 Prozent). Die systematische Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen findet in den seltensten Fäl­len statt (sieben Prozent).

Keine Anerkennung, bürokratische Hürden und ein fehlendes Netzwerk

Unabhängig von der Organisationsgröße gibt die Mehrheit der befragten Unternehmen an (76 Pro­zent), dass die Politik ihr Engagement nicht anerkennt. Gerade kleinere Mittelständler würden Steu­ererleichterungen und Bürokratieabbau begrüßen, damit sie ihr Unternehmensengagement stärken können, so die Studienautoren.

Doch neben diesen Rahmenbedingungen appellieren die Unternehmen auch an die Kunden, Kaufentscheidungen stärker vom gesellschaftlichen Verhalten der Unternehmen abhängig zu ma­chen.

Es besteht Handlungsbedarf

Um das Potenzial des unternehmerischen Engagements stärker für die Lösung gesellschaftlicher Her­ausforderungen zu nutzen, müssen unterschiedliche Akteure handeln und Verantwortung überneh­men. Gefragt sind hier laut Studie zuerst die Unternehmen selbst, aber auch Vertreter der Politik und Zivilgesell­schaft:

  • Unternehmen sollten ihre Ziele auch beim Thema Unternehmensengagement festlegen und definieren, wie diese erreicht werden können. Im Idealfall geschieht das nicht alleine, sondern in Netzwerken. Neben selbstorganisierten Kooperationen sollten auch die kommu­nalen Wirtschaftsförderungen Maßnahmen entwickeln, um die Zusammenarbeit mit gemein­nützigen Organisationen zu erleichtern.
  • Die Bundes- und Landespolitik sollte bürokratische und fiskalische Hürden beim gesellschaft­lichen Engagement systematisch überprüfen. Steuererleichterungen für einzelne Projekte oder der Abbau von allgemeinen Belastungen wie aufwendige Dokumentationspflichten, schnell wechselnde Rechtslagen, Komplexität und Besteuerung des innergemeinschaftlichen Handels könnten erste Maßnahmen sein.
  • Kunden könnten ihre Kaufentscheidungen vom gesellschaftlichen Verhalten eines Unterneh­mens abhängig machen, dann würden Unternehmen auch anders agieren.

 

Über die Studie

Der 'Corporate Citizenship Survey 2018' analysiert das ge­sellschaftliche Engagement von in Deutschland ansässigen Unternehmen. Die Studie ist ein gemein­sames Projekt des Stifterverbands und der Bertelsmann Stiftung. Die Befragung in Form einer Kombi­nation aus postalischen Anschreiben mit Online-Fragebögen wurde im Zeitraum von September 2017 bis Januar 2018 umgesetzt. Angeschrieben wurden rund 120.000 Unternehmen. 7.368 Fragebögen konnten ausgewertet werden.

(vg)