Unternehmen & Marken
03.07.2014

VW führt Liste der 50 größten Familienunternehmen an

Die 50 größten deutschen Unternehmen, bei denen eine Einzelperson oder eine Unternehmerfamilie das Sagen hat, erwirtschafteten im Jahr 2013 einen addierten Umsatz von 938 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor brachte dieselbe Gruppe an Unternehmen gemeinsam 930 Milliarden Euro auf die Waage. Damit erzielten Deutschlands Top 50-Familienunternehmen lediglich ein Mini-Wachstum von rund einem Prozent, das noch unterhalb der Inflationsrate liegt. Das zeigt eine Analyse des Stuttgarter Instituts für Familienunternehmen (IFF).

Die Gruppe der börsennotierten Familienunternehmen wich demnach mit einem Umsatzwachstum von 0,8 Prozent nicht wesentlich von der Gruppe der nicht börsennotierten Familienunternehmen (1,1 Prozent) ab. Im Jahr 2012 waren die börsennotierten Familienunternehmen noch die Gewinner. Sie wuchsen damals um 12,7 Prozent, während alle Top 50-Familienunternehmen nur um 7,9 Prozent zulegen konnten. Eine komplette Liste der Top 50 finden Sie am Ende dieser Meldung.

"Erstmals seit vielen Jahren konnten Deutschlands führende Familienunternehmen beim Umsatzzuwachs nicht glänzen", so Prof. Dr. Mark K. Binz, Vorstand des IFF und Seniorpartner der auf die Beratung von Familienunternehmen spezialisierten Stuttgarter Anwaltssocietät Binz & Partner. Ob es sich um eine Trendwende oder gar einen grundsätzlichen Paradigmenwechsel handle, könne man noch nicht sagen, zumal die Geschäftsentwicklung in 2014 aufgrund der guten Konjunktur nach derzeitigem Kenntnisstand bei den meisten Unternehmen außerordentlich gut verlaufe.

Wachstumschampions Mahle, Dachser, dm, Rossmann und Tönnies

Fakt ist, dass die Gruppe der Unternehmen mit einem deutlichen Wachstumsschub in 2013 sehr klein ist und diese wenigen Wachstumschampions zudem nicht zu den Schwergewichten der Familienunternehmen zählen, so das IFF. Mit Mahle (+13 Prozent), Dachser (+13 Prozent), dm Drogeriemarkt (+12 Prozent), Rossmann (+12 Prozent), Tönnies (+12 Prozent) und Claas (+11 Prozent) wuchsen 2013 nur sechs Familienunternehmen zweistellig. dm Drogeriemarkt ist dabei mit 7,7 Milliarden Euro Umsatz innerhalb dieser wachstumsstarken Gruppe das größte Unternehmen und im Ranking von Deutschlands führenden Familienunternehmen Nummer 27, Mahle mit 6,9 Milliarden Euro Umsatz die Nummer 30.

VW vor BMW und der Schwarz-Gruppe

Volkswagen führte mit einem Umsatz von 197 Milliarden Euro (+2 Prozent) auch 2013 die Ranglis-te an, gefolgt von BMW mit 76 Milliarden Euro (-1 Prozent), der Schwarz-Gruppe mit 67,6 Milliarden Euro (+7 Prozent) und Metro mit 65 Milliarden Euro (-3 Prozent). In der Spitzengruppe ist hinsichtlich Umsatzentwicklung die Schwarz-Gruppe eindeutiger Sieger, so das IFF. Der Lebensmitteleinzelhändler verdrängte erstmals Metro von Rang drei.

Sieben von 50 Unternehmen verlieren umsatz

Die Studie zeigt, dass sieben der 50 größten deutschen Familienunternehmen 2013 im Vergleich zum Vorjahr an Umsatz verloren. Während das Gros von 15 Firmen jedoch lediglich leichte Umsatzrückgänge von einer roten Null bis minus vier Prozent verzeichnete, büßte die Heraeus Holding 15 Prozent an Umsatz ein. Bei Heraeus sank der Umsatz seit 2011 von 26,2 Milliarden Euro auf nunmehr 17 Milliarden Euro. Auch Marquard & Bahls musste mit minus sieben Prozent einen deutlichen Umsatzrückgang hinnehmen.

Die Franz Haniel & Cie. ist erstmals nicht mehr in der Liste der 50 größten Familienunternehmen vertreten. Nach dem Verkauf des Pharmahändlers Celesio an den US-Konzern McKesson und weil die Beteiligung an der Metro AG nicht konsolidiert ist, erzielte das verbleibende Firmenportfolio von Haniel lediglich noch einen Umsatz von 3,58 Milliarden Euro (Rang 52).

Eine größere Gruppe von Unternehmen erzielte ein Wachstum im Bereich von einem bis fünf Prozent.

Gründe für die geringe bis negative Umsatzentwicklung

Die IFF-Analyse nennt mehrere Gründe für die geringe bis negative Umsatzentwicklung bei der überwiegenden Anzahl von Deutschlands führenden Familienunternehmen:
- Eine Ursache liegt demnach in dem starken Euro, weshalb Wachstum in Wirtschaftregionen mit schwächeren Währungen in den Bilanzen 2013 nicht widergespiegelt wird. Gerade Familienunternehmen, die in Schwellenländern wie China, Russland, Indien oder Russland in 2013 stark engagiert waren, bekamen den Währungseffekt zu spüren.
- Nur wenige Familienunternehmen wuchsen laut IFF durch Akquisitionen. Auf das M&A-Karussell, das langsam an Fahrt gewinnt, sind die meisten Familienunternehmen 2013 noch nicht aufgesprungen. Ausnahme ist beispielsweise der Logistiker Dachser, der antizyklisch in Spanien im vergangenen Jahr zwei Zukäufe tätigte.
- Größe allein ist für viele der betrachteten Unternehmen kein Wert mehr an sich. Knorr-Bremse, die Nummer 49 des Rankings, erzielte 2013 immerhin einen Umsatz von 4,3 Milliarden Euro, die Claas-Gruppe als Nummer 50 immer noch 3,8 Milliarden Euro.

Positive Mitarbeiterentwicklung

Die Anzahl an Mitarbeitern der Top 50-Familienunternehmen stieg im Jahr 2013 auf 3,7 Millionen Personen, ein Plus von 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, so das IFF. Bei 34 Unternehmen (ohne Knauf, Rethmann und Tengelmann) erhöhte sich die Zahl der Beschäftigten. Einige Unternehmen machten bei den Mitarbeiterzahlen einen regelrechten Sprung: Mahle beschäftigte 2013 insgesamt 35 Prozent mehr Arbeitnehmer als ein Jahr zuvor, was auf die Mehrheitsübernahme von Behr zurückzuführen ist, Dachser 15 Prozent und dm Drogeriemarkt zwölf Prozent. Allerdings, so Prof. Binz, 2bauen die untersuchten Unternehmen in erster Linie ihre Belegschaft im Ausland auf".

Arbeitsplätze abgebaut wurden hingegen bei Metro, Heraeus, Merck, Würth, Maxingvest, Droege und Wacker Chemie, zumeist in geringerem Umfang. Lediglich Heraeus mit - 9 Prozent und Droege mit -18 Prozent reduzierten die Mitarbeiterzahl in erheblichem Umfang. Diese Maßnahmen sind jedoch die Ausnahme. 

(vg)
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