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Angebot an nachhaltiger Mode wächst, objektive Standards fehlen

Mehr als die Hälfte der weltweiten Einkaufschefs in der Modebranche hält Nachhaltigkeit für eine der wichtigsten Geschäftsstrategien. Entsprechend wächst das Angebot nachhaltiger Kleidung jedes Jahr um das Fünffache. Dennoch ist der Anteil am Gesamtmarkt nach wie vor gering: Weniger als ein Prozent der im ersten Halbjahr 2019 erschienenen Produkte waren bereits als 'nachhaltig' gekennzeichnet. Es fehlen internationale Standards für Nachhaltigkeit und klare Definitionen. Mal sind damit ökologische Standards gemeint, mal soziale Aspekte in der Herstellung.

Das sind Ergebnisse der Studie Fashion’s new must-have: sustainable sourcing at scale, für die McKinsey 64 Chief Purchasing Officers (CPO) befragt hat, die insgesamt mehr als 100 Milliarden US-Dollar Beschaffungswert verantworten. Zusätzlich wurden in Straßeninterviews Konsumenten in vier  europäischen Großstädten und Branchenexperten befragt sowie Daten von Online-Modehändlern durch den Research-Dienstleister Edited ausgewertet.

Probleme bei Verfügbarkeit von nachhaltigen Materialien 

55 Prozent der befragten Einkaufschefs planen, mindestens die Hälfte ihrer Produkte aus nachhaltigen Materialien zu beziehen. Für sie ist dies das Top-Thema auf ihrer Sustainability-Agenda, gefolgt von Transparenz/Verfolgbarkeit und Zuliefererbeziehungen. Gleichzeitig bestätigen 95 Prozent der Einkäufer, die für einen Massenmarkt produzieren lassen, dass sie Probleme bei der Verfügbarkeit nachhaltiger Materialien sehen.

"Die Ambitionen der Modeindustrie überflügeln die Realität", sagt Achim Berg, Leiter der Modeindustrieberatung bei McKinsey. "Die Herausforderungen erfordern echte Partnerschaften mit den Zulieferern." Die Umfrage bestätige, dass die größten Anbieter mit mehr als einer Mrd. US-Dollar Beschaffungswert planen, die Anzahl ihrer Lieferanten um mindestens zehn Prozent zu senken. "Da Zulieferer Innovationen treiben, sind echte strategische Partnerschaften mit den Modeunternehmen vonnöten, um soziale und ökologische Verbesserungen zu erreichen", sagt Saskia Hedrich, McKinsey-Expertin für Nachhaltigkeit in der Modeindustrie.

Nachhaltig muss nicht teurer sein

Neben der Verfügbarkeit nachhaltiger Materialien sehen die Einkaufschefs die größte Herausforderung beim Thema Materialkosten. 89 Prozent von ihnen glauben, dies werde ein Hinderungsgrund für die Umstellung auf nachhaltige Materialien sein. Diese Mehrkosten würden aber nicht in allen Fällen an die Kunden weitergeben. Untersuchungen zeigen, dass ein T-Shirt aus Bio-Baumwolle in Großbritannien im Durchschnitt den Verbraucher sogar zehn Prozent weniger kostet als die konventionelle Alternative. Jeans aus recyceltem Material verzeichnen im Durchschnitt lediglich einen Mehrpreis von einem Prozent. 

Zur Studie geht es hier.



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(vg) 18.10.2019