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Familienunternehmen: Nachholbedarf bei Diversity und Digitalisierung

In deutschen Familienunternehmen sind immer noch wenige Frauen in den Aufsichtsräten vertreten. Während deutsche Familienunternehmen fünf Prozent ihrer Aufsichtsratspositionen mit weiblichen Expertinnen besetzen, sind es in Spanien, Dänemark, Schweden und Finnland jeweils 20 Prozent. Was den Anteil von Frauen in Vorständen und Geschäftsführungen angeht, so liegen Familienunternehmen aus Deutschland mit 16 Prozent ebenfalls deutlich zurück und erreichen die Hälfte des Durchschnittswerts von 33 Prozent. Hohe Werte erzielen hier Spanien (90 Prozent), Italien (86 Prozent) und Norwegen (83 Prozent).

Das zeigt die Studie Pan-European Study on Family-Owned Business, die der Executive-Search-Anbieter Russell Reynolds Associates erstellt hat. Dafür analysierten sie 242 Unternehmen und sprachen mit Vorständen, Geschäftsführern, Aufsichtsräten und Familienmitgliedern in Familienfirmen in acht Ländern - Frankreich, Italien, Spanien, Deutschland, Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland.

Familienunternehmen mit wenig Digitalexperten

Auffällig ist bei den Familienunternehmern in Deutschland aber nicht nur das Gender-Gap, sondern auch der Mangel an Digital-Expertise in Leitungs- und Aufsichtsgremien. Hier liegt Deutschland mit drei Prozent im unteren Drittel, lediglich in Italien und Spanien ist die digitale Kompetenz mit jeweils einem und zwei Prozent noch schwächer ausgeprägt. Spitzenplätze belegen hier Schweden mit zehn und Norwegen mit acht Prozent.

Punkten können deutsche Familienunternehmen hingegen mit der Finanzkompetenz der Gremien, also mit Spezialknowhow in Finance und Accounting. Dort belegt Deutschland mit 14 Prozent Platz zwei hinter Frankreich (17 Prozent). Schwach sind auf diesem Feld Italien mit fünf und Schweden mit neun Prozent.

Hoher Anteil familienfremder Experten in den Boards

Der Anteil von Familienangehörigen, die als Board Directors agieren, liegt gemäß der Umfrage von Russell Reynolds Associates in Deutschland lediglich bei 15 Prozent. Das ist hauchdünn hinter Finnland (14 Prozent) der niedrigste Wert und damit Platz zwei im paneuropäi-schen Studienvergleich.

Beim Anteil von Familienangehörigen im Aufsichtsrat weisen Familienunternehmen aus Deutschland mit 16 Prozent den mit Abstand niedrigsten Wert auf - der Durchschnitt im Rahmen der Vergleichsstudie liegt bei 58 Prozent. Spanien, Italien und Norwegen kommen mit 90, 86 und 83 Prozent auf sehr hohe Anteile von Familienmitgliedern im Aufsichtsrat. Deutschland liegt also hier europaweit vorne.

Beim Anteil familienunabhängiger Manager im Aufsichtsrat ist Deutschland folglich im Vergleich zu den übrigen europäischen Vergleichsländern mit 58 Prozent ebenfalls klarer Spitzenreiter. Schweden kommt hier auf 50 Prozent, die übrigen europäischen Vergleichsländer fallen deutlich ab: Frankreich zehn Prozent, Spanien und Italien bei null Prozent - diese Länder verzichten vollständig auf die Kompetenz externer Experten im Aufsichtsrat.

Kurze Verweildauer ihrer Aufsichtsratsmitglieder

Sehr gut stehen deutsche Familienunternehmen auch bei der durchschnittlichen Verweildauer von Familienangehörigen in den Kontrollgremien da. Hier ist Deutschland mit einer Verweildauer von sieben Jahren gemeinsam mit Dänemark im Studienvergleich in der Poleposition. In Schweden und Italien ist die Verweildauer der Familienmitglieder in den Kontrollgremien hingegen mit 13 und 15 Jahren doppelt so lang.

Eine Zusammenfassung der zentralen Studienergebnisse finden Sie hier.

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(vg) 25.03.2020



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