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Digitale Wettbewerbsfähigkeit: Deutschland nur im Mittelfeld

Im Digitalen Wirtschafts- und Gesellschaftsindex 2019 (Digital Economy and Society Index - DESI) belegt Deutschland den 12. Platz unter den 28 EU-Mitgliedstaaten. Die Europäische Kommission veröffentlicht jährlich den Index, der die digitale Gesamtleistung Europas überwacht und die Fortschritte der EU-Länder in Bezug auf ihre digitale Wettbewerbsfähigkeit verfolgt.

Nachholbedarf bei Next-Generation-Access-Netzabdeckung und Glasfaseranschlüssen

Deutschland steht demnach weiterhin vor Herausforderungen auf dem Festnetz- und Mobilfunkmarkt. Es gibt eine digitale Kluft zwischen Stadt und Land in Bezug auf die feste Next-Generation-Access-Netzabdeckung. Der Anteil der Glasfaseranschlüsse ist immer noch sehr gering. Beim Basis-Festbreitbandnetz schneidet die Bundesrepublik dank der breiten Verfügbarkeit und der hohen Akzeptanz gut ab. Die Festnetz-Breitbandabdeckung liegt bei 98 Prozent. Obwohl es die Nutzung des schnellen Breitbands verbessert hat, liegt es bei der Nutzung des ultraschnellen Breitbands aber immer noch unter dem EU-Durchschnitt.

Bei den digitalen Kompetenzen gehört Deutschland zu den Spitzenreitern der EU

Bei den digitalen Kompetenzen ist Deutschland dahingegen überdurchschnittlich erfolgreich und hat seinen Wert bei der Integration digitaler Technologien durch Unternehmen erhöht. Auch der Anteil der IKT-Spezialisten ist seit 2017 gestiegen. Bei der Nutzung von Internet-Diensten rangiert Deutschland an der Spitze, da die Deutschen an Online-Aktivitäten interessiert sind. Nur fünf Prozent haben noch nie das Internet genutzt.

Online-Interaktion zwischen Behörden und der Öffentlichkeit verbessern

Die größte digitale Herausforderung des Landes besteht darin, die Online-Interaktion zwischen Behörden und der Öffentlichkeit zu verbessern. Bei der Nutzung von digitalen Behördenangeboten liegt Deutschland auf Platz 26 und damit im Bereich E-Government abgeschlagen auf dem drittletzten Platz. Nur 43 Prozent nutzen elektronische Behördendienste und nur sieben Prozent E-Gesundheitsdienste. Zum Vergleich: In Schweden, Finnland, Estland und Dänemark erledigen jeweils mehr als 90 Prozent der Bevölkerung Behördengänge digital.

Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. fordert deshalb einen Radikalschnitt und grundlegendes Umdenken. BVDW-Vizepräsident Thomas Duhr: "Dieser Bericht der EU-Kommission legt die Probleme Deutschlands mit der Digitalisierung gnadenlos offen: Für die Zukunft essentielle Entwicklungen wie Breitbandausbau und die Entwicklung von E-Government-Lösungen haben nicht die politische Priorität, die nötig wäre, um hier entscheidende Fortschritte machen zu können." Deutschland brauche mit Blick auf die Zuständigkeiten für die Digitalisierung einen strukturellen Radikalschnitt und damit ein Neudenken aller bestehenden Lösungsansätze. 

EU-Länder verbessern ihre digitale Leistung

Im vergangenen Jahr verbesserten alle EU-Länder ihre digitale Leistung, wobei Finnland, Schweden, die Niederlande und Dänemark die höchsten Bewertungen im DESI 2019 erzielten und zu den weltweit führenden Anbietern in der Digitalisierung gehörten. Es folgen das Vereinigte Königreich, Luxemburg, Irland, Estland und Belgien.

Insgesamt hat sich in der EU die Konnektivität verbessert, ist aber nach wie vor unzureichend, um den schnell wachsenden Anforderungen gerecht zu werden. Die DESI-Indikatoren zeigen, dass die Nachfrage nach schnellen und ultraschnellen Breitbanddiensten steigt und angesichts der wachsenden Komplexität von Internetdiensten und Geschäftsanforderungen in den kommenden Jahren weiter steigen wird. 60 Prozent der Haushalte verfügen über eine ultraschnelle Konnektivität von mindestens 100 Mbit/s, die Zahl der Breitbandabonnements steigt. 20 Prozent der Haushalte nutzen ultraschnelles Breitband, eine Zahl, die viermal so hoch ist wie 2014. Schweden und Portugal haben die höchste Auslastung des ultraschnellen Breitbands, und Finnland und Italien sind bei der Zuweisung des 5G-Spektrums am weitesten fortgeschritten.

Mehr als ein Drittel der Europäer in der aktiven Erwerbsbevölkerung verfügt nicht über grundlegende digitale Fähigkeiten, obwohl die meisten Arbeitsplätze mindestens grundlegende digitale Fähigkeiten erfordern. Nur 31 Prozent verfügen über fortgeschrittene Internetnutzerkenntnisse. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach fortgeschrittenen digitalen Fähigkeiten in der gesamten Wirtschaft, wobei die Beschäftigung von Fachkräften der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) in den vergangenen fünf Jahren in der EU um zwei Millionen gestiegen ist. Finnland, Schweden, Luxemburg und Estland sind hier führend.

83 Prozent der Europäer surfen mindestens einmal pro Woche im Internet (gegenüber 75 Prozent im Jahr 2014). Andererseits waren nur elf Prozent der EU-Bevölkerung noch nie online (gegenüber 18 Prozent im Jahr 2014). Die Nutzung von Videoanrufen und Video-on-Demand, die in verschiedenen Computerprogrammen und Smartphone-Anwendungen verfügbar sind, nahm am stärksten zu.

Hier geht es zum DESI-Report 2019.



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(vg) 12.06.2019