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Wann sich eine unternehmensinterne Nachfolge eignet


Möglichkeiten, um die Unternehmensnachfolge zu regeln (Quelle: IfM Bonn)

Bis 2022 werden hierzulande jährlich rund 30.000 Unternehmen vor der Frage stehen, wie sie ihre Nachfolge regeln. Das ergeben Schätzungen des IfM Bonn. In rund jedem zweiten mittelständischen Unternehmen wollen oder können dabei Familienmitglieder nicht die Nachfolge antreten. Grundsätzlich gibt es dann laut den Forschern drei Möglichkeiten: Entweder die Unternehmen bauen jemanden aus der eigenen Belegschaft als Nachfolger auf oder sie kontaktieren Arbeitnehmer anderer Unternehmen, die sie hierfür geeignet sehen. Alternativ können sie ihr Unternehmen aber auch an andere Unternehmer verkaufen. Letzteres geschieht in knapp einem Drittel der Unternehmen, während knapp jedes fünfte Unternehmen in die Hände von Belegschaftsangehörigen übergeht.


Mitarbeiternachfolgen weniger aussichtsreich

Um den Anteil der Mitarbeiternachfolgen zu steigern, setzen sich Abgeordnete verschiedener Landesparlamente für deren stärkere Förderung ein. "Unsere Analysen zeigen allerdings, dass es sowohl auf Seiten der Übergebenden als auch auf der der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine Reihe von Gründen gibt, diese Nachfolgelösung nicht zu wählen. Eine Förderung könnte daher zu unerwünschten Ergebnissen führen", berichtet Dr. Nadine Schlömer-Laufen vom IfM Bonn. "So können die Inhaber und Inhaberinnen nur dann den höchsten Verkaufspreis erzielen, wenn sie ihr Unternehmen an jemanden verkaufen, der hierdurch Wettbewerbsvorteile erzielt. Dies sind in der Regel andere Unternehmen, für die sich durch den Unternehmenskauf die Möglichkeit zum schnelleren Markteintritt oder Zugang zu spezifischem Wissen ergibt. Aus ökonomischer Sicht sollte diese Nachfolgeform daher die erste Wahl für alle Alteigentümer und Alteigentümerinnen sein."

Arbeitnehmernachfolgen seien dahingegen vor allem dann chancenreich, wenn kein anderes Unternehmen am Kauf interessiert sei oder der Alteigentümer oder die Alteigentümerin ihr Lebenswerk und die Arbeitsplätze ihrer Mitarbeiter langfristig gewahrt sehen wollten. Ein Verkauf an ein anderes Unternehmen komme für sie dann nicht in Frage.

Nachfolge durch eine Führungskraft aus dem eigenen Unternehmen am chancenreichsten

"Von allen Arbeitnehmernachfolge-Konstellationen, die wir analysiert haben, ist die Nachfolge durch eine Führungskraft aus dem eigenen Unternehmen für beide Parteien am chancenreichsten", berichtet Schlömer-Laufen. Der Grund: Die interne Führungskraft kenne meist seit vielen Jahren das Unternehmen, dessen Entwicklung und Finanzsituation. Entsprechend könne sie das Arbeitsplatz- und Kapitalverlustrisiko, das mit dem Schritt in die Selbstständigkeit verbunden ist, am besten einschätzen. Auch sei sie aufgrund ihrer detaillierten Unternehmenskenntnis eher bereit, einen Kaufpreis zu zahlen, der dem Unternehmen angemessen ist.

Für die Altinhaber und Alteigentümerinnen biete diese Nachfolgevariante die Chance, einen vergleichsweise guten Preis für das eigene Unternehmen zu erzielen. Hinzu komme, dass die Übergabe abseits der Öffentlichkeit vorbereitet werden könne. Hierdurch mindere sich die Gefahr, dass Belegschaft, Kunden und Lieferanten in der Phase des ungeklärten Nachfolgeprozesses verunsichert würden. Auch sind die Alteigentümer – im Gegensatz zu einem Verkauf an externe Führungskräfte, Mitbewerber oder Finanzinvestoren – nicht gezwungen, Fremden einen detaillierten Einblick in ihre Bücher zu gewähren.

"Sind interne Führungskräfte nicht verfügbar, bietet sich aufgrund der Berufs- und Führungserfahrung sowie des finanziellen Backgrounds der Verkauf an externe Manager und Managerinnen als nächstbeste Lösung an", resümiert die Projektleiterin.

Das Denkpapier Unternehmensnachfolge durch Arbeitnehmer und Arbeitnehme-rinnen – Chancen und Risiken ist hier abrufbar.



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(vg) 12.07.2019