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Chinesen übernehmen weniger Firmen in Deutschland


Chinesischen Übernahmen in Europa: Zahl der Transaktionen fällt europaweit um 28 Prozent auf 81 (Quelle: EY)

Chinesische Unternehmen zeigen sich bei Firmenübernahmen in Deutschland und Europa zunehmend zurückhaltend: Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden europaweit nur 81 Übernahmen und Unternehmensbeteiligungen gezählt – 28 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, als noch 113 europäische Unternehmen einen chinesischen Besitzer bekamen. Da es kaum große Transaktionen gab, ging das Investitionsvolumen sogar um 84 Prozent von 15,3 auf 2,4 Milliarden US-Dollar zurück.

Besonders stark sanken die Aktivitäten chinesischer Investoren in Deutschland: Die Zahl der Zukäufe und Beteiligungen schrumpfte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 25 auf elf, das Investitionsvolumen ging von 10,1 auf 0,5 Milliarden US-Dollar zurück. Mehr Deals als in Deutschland gab es in Großbritannien, wo chinesische Investoren bei 17 Unternehmen zum Zug kamen. Da es sich allerdings zumeist um kleine Transaktionen handelte, lag die investierte Summe mit 0,4 Milliarden US-Dollar niedriger als in Deutschland.

Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, die M&A-Investitionen chinesischer Unternehmen in Deutschland und Europa untersucht. Die größte Transaktion in Deutschland war demnach der Kauf einzelner Geschäftsbereiche des Kupferproduzenten KME durch Zhejiang Hailiang für 136 Millionen US-Dollar.

Großbritannien löst Deutschland als beliebtestes Investitionsziel ab (Quelle: EY)

Gründe für die Rückhaltung der Chinesen u.a. konjunkturelle Lage

Yi Sun, Leiterin der China Business Services Deutschland, Österreich und Schweiz bei EY, sagt: "Der Hauptgrund für die Zurückhaltung der chinesischen Investoren ist die Situation auf dem chinesischen Heimatmarkt: Die konjunkturelle Lage in China ist schwierig, die Unsicherheit groß – nicht zuletzt aufgrund des US-chinesischen Handelskonflikts. Zudem sind einige der chinesischen Unternehmen, die in der Vergangenheit auf dem europäischen M&A-Markt sehr aktiv waren, derzeit entweder mit der Integration der erworbenen Unternehmen oder mit dem Weiterverkauf beschäftigt. Neue Zukäufe stehen bei diesen Unternehmen vorerst nicht auf der Agenda." Zudem gebe es derzeit relativ wenige attraktive Übernahmekandidaten, die für die Chinesen interessant seien.

Transaktionsaktivitäten werden wieder zunehmen

Das Interesse chinesischer Unternehmen an europäischen Firmen sei allerdings grundsätzlich immer noch groß – auch wenn immer weniger Transaktionen tatsächlich abgeschlossen werden, berichtet Sun: "Wir sehen mehrere Trends: Nach wie vor kaufen einige chinesische Unternehmen in Europa Kompetenzen für ihre ambitionierten Strategien zu – das beste Beispiel ist die aktuelle europaweite Einkaufstour des chinesischen Evergrande-Konzerns im Bereich der Elektromobilität. Auf der anderen Seite interessieren sich chinesische Unternehmen immer noch sehr für klangvolle Namen aus Europa – etwa im Konsumgüterbereich." Dass punktuell auch noch große Transaktionen möglich sind, habe zudem gerade erst der Einstieg des chinesischen Autokonzern BAIC bei Daimler gezeigt.

"Wo es strategisch sinnvoll und im beiderseitigen Interesse ist, sind nach wie vor auch Deals oberhalb der 1-Milliarde-Grenze machbar", betont Sun. "Und wenn sich die Konjunktur erholt und der Handelskonflikt zwischen den USA und China beigelegt wird, werden wir auch wieder eine deutliche Zunahme bei den Transaktionsaktivitäten sehen."



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(vg) 14.08.2019