ANZEIGE


Anteil der Vorständinnen in deutschen Unternehmen steigt etwas stärker

Anzeichen dafür, dass Geschlechterquote für Aufsichtsräte auch Frauenanteil in Vorständen erhöht (Quelle: DIW Berlin)
Anzeichen dafür, dass Geschlechterquote für Aufsichtsräte auch Frauenanteil in Vorständen erhöht (Quelle: DIW Berlin)

In den Führungsetagen großer Unternehmen in Deutschland zeichnet sich ein langsamer Wandel ab: Die Frauenanteile in den Vorständen sind im vergangenen Jahr etwas stärker gestiegen als in den Jahren zuvor. Das geht aus dem neuesten Managerinnen-Barometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hervor. Demnach knackten die 200 umsatzstärksten Unternehmen erstmals die Zehn-Prozent-Marke: 94 von 907 Vorstandsposten hatten Frauen inne, das entspricht einem Anteil von 10,4 Prozent. Im Jahr zuvor waren es neun Prozent, damals lag der Anstieg bei weniger als einem Prozentpunkt. Auch bei den größten börsennotierten und bei den Unternehmen mit Bundesbeteiligung war die Entwicklung im Vorstand etwas dynamischer als in vorangegangenen Jahren. Bei Banken und Versicherungen war das ebenfalls der Fall. In den Aufsichtsräten ging es hingegen, anders als in den meisten Jahren zuvor, im Vergleich zu den Vorständen langsamer nach oben.

Für die Studie haben Katharina Wrohlich vom DIW Berlin und Anja Kirsch von der Freien Universität Berlin über 500 Unternehmen unter die Lupe genommen und ausgewertet, inwieweit Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten vertreten sind. Die Zahlen wurden im Herbst 2019 erhoben, unter anderem auf Basis von Angaben der Unternehmen im Internet, des Bundesanzeigers, von Geschäftsberichten und Anfragen der Autorinnen bei den Unternehmen.

Geschlechterparität bleibt aber in weiter Ferne

"Trotz der zuletzt positiven Entwicklung in den Vorständen kann noch keine Rede davon sein, dass in sämtlichen Chefetagen das Umdenken begonnen hätte", sagt Wrohlich, Leiterin der Forschungsgruppe Gender Economics am DIW Berlin. "Bei genauerem Hinsehen vollzieht sich die Entwicklung in den Chefetagen nach wie vor auf einem extrem niedrigen Niveau, vor allem, wenn man mehrjährige Zeiträume betrachtet. Geschlechterparität in den Vorständen der größten Unternehmen in Deutschland ist nach wie vor in weiter Ferne."

Unternehmen mit Geschlechterquote im Aufsichtsrat haben nun mehr Vorständinnen

Dennoch könnte sich 2019 im Nachhinein als das Jahr herausstellen, in dem eine nachhaltig höhere Dynamik auf dem Weg zu mehr Frauen in Führungspositionen einsetzte, so die DIW-Forscher. So verdichteten sich die Anzeichen dafür, dass die gesetzliche Geschlechterquote für Aufsichtsräte, an die gut 100 Unternehmen in Deutschland seit dem Jahr 2016 gebunden sind, mehr und mehr auf die Vorstände ausstrahlt: Unter den Top-200-Unternehmen ist der Frauenanteil im Vorstand jener Unternehmen, die der Quotenregelung für Aufsichtsräte unterliegen, im vergangenen Jahr deutlich gestiegen (von 8,0 auf 12,3 Prozent) und liegt nun höher als bei jenen Unternehmen innerhalb der Top-200-Gruppe, die nicht an die Quote gebunden sind. Dort stagnierte der Anteil der Vorständinnen im vergangenen Jahr bei gut neun Prozent.

Weitere Beiträge zur Geschlechterquote

Trotz Frauenquote keine Gleichstellung bei Führungspositionen

Wo verdienen Frauen in Chefpositionen am meisten?

Dax-Unternehmen setzen zunehmend auf Diversität

Weiter wenig Frauen in den obersten Führungsriegen

Stagnation bei Frauenquote der DAX 30-Aufsichtsräte

Geschlechtervielfalt in Chefetagen erhöht Innovationsstärke



zurück

(vg) 23.01.2020



Weitere Webseiten