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Schutzrechtsintensive Branchen tragen fast die Hälfte zum deutschen BIP bei


EU-weit sind schutzrechtsintensive Wirtschaftszweige für knapp 45 Prozent der EU-Wirtschaftsleistung verantwortlich (Qulle: EPO/EUIPO)

Deutschland ist EU-weit führend, wenn es um die intensive Nutzung von Rechten des geistigen Eigentums wie Patenten, Marken, Geschmacksmustern und Urheberrechten (IP Rights, kurz IPR) in Industriebranchen geht. Mit einem jährlichen Anteil von 49,9 Prozent am deutschen Bruttoinlandsprodukt (1,5 Billionen Euro) und mehr als 13 Millionen Beschäftigten (33,3 % der Gesamtbeschäftigung) in Wirtschaftszweigen mit einer überdurchschnittlichen Nutzung solcher Rechte liegt Deutschland deutlich über dem EU-Mittelwert. In absoluten Zahlen steht Deutschland bei Patenten, Marken und Geschmacksmustern an erster Stelle.

Das zeigen die Ergebnisse eines gemeinsamen Berichts, der vom Europäischen Patentamt (EPA), München, und dem Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO), Alicante, veröffentlicht worden ist. Dieser analysiert die Bedeutung von geistigen Eigentumsrechten für die Wirtschaft in der Europäischen Union zwischen 2014 und 2016.

Deutschlands schutzrechtsintensivste Industrien

Jeder dritte Arbeitsplatz in Deutschland ist in einem schutzrechtsintensiven Wirtschaftszweig (Quelle: EPO/EUIPO)

Schutzrechtsintensive Industrien erweisen sich demnach in Deutschland als Jobmotor. Dabei schafft die Automobilbranche die meisten Arbeitsplätze. Sie setzt Patente, Markenrechte und Geschmacksmuster in besonderem Maße ein. Aber auch der Maschinenbau, Finanzen und Versicherungen, IT und die Immobilienbranche machen sich Schutzrechte aktiv zunutze, wie die Studie belegt.

Patentintensive Industrien geben 6,3 Millionen Menschen (15,9 %) in Deutschland Arbeit - ein Wert, der um fünf Prozentpunkte über dem EU-Durchschnitt liegt (10,9 %). Dabei machen sie einen Anteil von 720 Milliarden Euro am deutschen BIP aus (23,6 %), das sind 7,5 Prozentpunkte mehr als der EU-Durchschnitt (16,1 %).

Zahlen des Europäischen Patentamtes von 2018 zeigen außerdem, dass Deutschland europaweit die meisten Patente angemeldet hat. Nur die USA stellten beim EPA mehr Patentanträge. Zu den größten deutschen Patentanmeldern zählen Siemens, Robert Bosch, BASF, Continental und Bayer.

Deutschland: größter Antragsteller für Geschmacksmuster beim EUIPO

Geschmacksmusterintensive Branchen haben eine große Bedeutung für die Wirtschaft innerhalb der EU ebenso wie in Deutschland: Hier arbeiten noch mehr Menschen in Industriezweigen, die Designrechte (Geschmacksmuster) überdurchschnittlich nutzen. 7,1 Millionen Menschen sind in diesen Branchen beschäftigt. Das sind 17,9 Prozent der Gesamtbeschäftigten in Deutschland und mehr als der Durchschnitt in anderen EU Ländern, der bei 14,2 Prozent liegt. Der Anteil am deutschen Bruttoinlandsprodukt liegt mit 690 Milliarden Euro um fünf Prozentpunkte höher als der Mittelwert in der EU. Im vergangenen Jahr waren deutsche Firmen die aktivsten Antragsteller für Geschmacksmuster beim EUIPO.

Markeneintragungen - ein Indikator für Erfolg

Markeneintragungen liefern oftmals einen Hinweis auf bevorstehenden wirtschaftlichen Erfolg, weil sie die Brand eines Unternehmens hervorheben und damit deren Unterscheidungskraft im Markt stärken, heißt es in dem Bericht. Entsprechend wichtig seien Unternehmen mit vielen Markeneintragungen für die hiesige Wirtschaft und den Arbeitsmarkt. Sie beschäftigen in Deutschland rund 9,7 Millionen Menschen und tragen 1,2 Billionen Euro zum deutschen BIP bei. Damit liegt in Deutschland der Anteil dieser Branchen an der Gesamtbeschäftigung fast drei Prozentpunkte über dem EU-Durchschnitt.  Mit 21.992 Markeneintragungen war Deutschland 2018 der größte Anmelder beim EUIPO.

Deutschlands Bedeutung für den EU-Binnenmarkt

Auch der EU-Binnenmarkt profitiert von der Stärke der deutschen schutzrechtsintensiven Industrien: Mehr als 1,7 Millionen Arbeitsplätze wurden von deutschen Unternehmen in den anderen EU-Ländern geschaffen. Dies sind fast ein Drittel (32,9 %) aller Arbeitsplätze, die von Unternehmen überhaupt im EU-Ausland geschaffen werden.

Der Exekutivdirektor des EUIPO, Christian Archambeau: "Wirtschaftszweige, die intensiven Gebrauch von Rechten des geistigen Eigentums machen, spielen eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, die Prosperität der Europäischen Union zu erhöhen und ihre wirtschaftliche Zukunft zu sichern. Diese Industrien sind innovativer und zeigen sich gegenüber Wirtschaftskrisen widerstandsfähiger." Der Präsident des EPA, António Campinos, ergänzt: "Die Bedeutung von schutzrechtsintensiven Wirtschaftszweigen spiegelt die Stärke der wissensbasierten Wirtschaft in Europa wider. Unternehmen in diesen Sektoren melden häufig ein Bündel von Schutzrechten an, um ihr geistiges Eigentum zu schützen. Diese Strategie schafft Produkte und Dienstleistungen mit einem hohen Mehrwert und trägt somit dazu bei, Europas Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern."

Schutzrechtintensive Industrien als Arbeitgeber

Wie wichtig schutzrechtsintensive Wirtschaftszweige als Arbeitgeber in der EU sind, zeigt sich auch daran, dass im untersuchten Zeitraum die Zahl der Arbeitsplätze in den entsprechenden Industrien EU-weit um 1,3 Millionen im Vergleich zu den Jahren 2011 bis 2013 gestiegen ist. Im gleichen Zeitrahmen ging die Gesamtbeschäftigung in der Europäischen Union leicht zurück.

Auf schutzrechtsintensive Wirtschaftszweige entfällt ebenfalls ein großer Teil (81 %) des Warenhandels und der Dienstleistungen der EU mit anderen Regionen der Welt. Die EU verzeichnete 2016 einen Handelsüberschuss von rund 182 Milliarden Euro, der auf die schutzrechtsintensiven Wirtschaftszweige zurückging. Mit ihm konnte ein geringes Handelsbilanzdefizit der nicht-schutzrechtsintensiven Branchen ausgleichen werden.

IPR-intensive Branche: Klimatechnologien

In den Klimaschutztechnologien entfielen in der EU im Berichtszeitraum 2,5 Prozent der Beschäftigung und 4,7 Prozent des Bruttoinlandprodukts auf patentintensive Wirtschaftszweige. Es steht zu erwarten, dass die wirtschaftliche Bedeutung dieser Technologien steigt, da die Länder darauf hinarbeiten, die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erfüllen. Europäische Unternehmen spielen in dem Sektor bereits heute eine führende Rolle: So sind inzwischen zehn Prozent aller von europäischen Firmen beim EPA angemeldeten Patente im Bereich grüner Technologien angesiedelt.

Der Bericht der beiden Ämter untersucht ebenfalls die patentintensiven Wirtschaftszweige, die einen wesentlichen Beitrag zu Technologien der Vierten Industriellen Revolution (4IR) und der digitalen Transformation in der EU leisten. Demnach machten diese 4IR-intensiven Wirtschaftszweige in der Berichtsperiode 1,9 Prozent der gesamten Beschäftigung in der EU und 3,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, wobei im Vergleich zum Vorberichtszeitraum (2011 – 2013) beide Werte gestiegen sind. Im Hinblick auf Löhne werden in 4IR-intensiven Wirtschaftszweigen Gehälter gezahlt, die im Vergleich zu den durchschnittlichen Gehaltszahlungen in nicht-schutzrechtsintensiven Wirtschaftszweigen mehr als doppelt so hoch sind und auch 39 Prozent über den Löhnen in den übrigen schutzrechtsintensiven Wirtschaftszweigen liegen. 

Über die Studie

Der Bericht ist die dritte gemeinsame Studie, die die Bedeutung von Wirtschaftszweigen, die ihr geistiges Eigentum umfassend schützen, für die EU-Wirtschaft aufzeigt. Sie untersucht ein breites Spektrum von Rechten des geistigen Eigentums – Marken, Patente, Geschmacksmuster, Urheberrechte, geografische Angaben und Sortenrechte – und berücksichtigt Indikatoren wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP), Beschäftigung, Handel und Gehälter. Die Studie 2013 betrachtet den Zeitraum 2008 bis 2010, die Neuauflage von 2016 Daten von 2011 bis 2013. Die aktuelle Studie berücksichtigt die Jahre 2014 bis 16. Ergänzend zu den EU-Mitgliedstaaten wurden in diese Studie auch Island, Norwegen und die Schweiz einbezogen.



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(vg) 26.09.2019