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Mehr PISA, mehr Wirtschaftskraft?

Bessere Leistungen der Schüler könnten den zukünftigen Wohlstand Deutschlands spürbar erhöhen. Das geht aus einer neuen Studie hervor, die Ludger Wößmann, Leiter des ifo Zentrums für Bildungsökonomik, zusammen mit Eric Hanushek von der Universität Stanford/USA im Auftrag der Europäischen Kommission verfasst hat.

Die Zahlen der Studie basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, dass es einen engen Zusammenhang zwischen Bildungsleistungen und Wirtschaftswachstum gibt. „Wenn sich die Leistungen der deutschen Schüler um 25 PISA-Punkte verbessern, würde die deutsche Wirtschaftskraft langfristig um 7,3 Prozent steigen. Das sind rund 14 Billionen Euro für den Rest des Jahrhunderts“, so Wößmann.

Für die gesamte EU liegt die Summe der möglichen Erträge bei 71 Billionen Euro. Auf Großbritannien entfallen dabei 9,7, auf Frankreich 9,5, auf Italien 7,6, auf Spanien 6,0 und auf Österreich 1,5 Billionen Euro. Die heute veröffentlichten neuen Ergebnisse der PISA-Studie der OECD sind ein Indikator dafür, wie Schüler in Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen weltweit abschneiden.

„Einige Länder haben durch Reformen bereits eine Steigerung um 25 PISA-Punkte geschafft, darunter Polen und Portugal. Auch in Deutschland ist das in den ersten Jahren nach dem PISA-Schock gelungen“, fügt Wößmann hinzu. „Für unsere wirtschaftliche Zukunft ist es von existenzieller Bedeutung, dass die Schulen den Kindern und Jugendlichen Kompetenzen vermitteln, mit denen sie sich in der Arbeitswelt der Zukunft behaupten können.“

Gerade den in PISA gemessenen Basiskompetenzen in Mathematik und Naturwissenschaften komme dabei eine wichtige Rolle zu. „Nach den schlechten PISA-Ergebnissen vor 18 Jahren wurden in Deutschland sehr viele Initiativen angestoßen, um im internationalen Vergleich aufzuholen. Mittlerweile scheint dieses Engagement erlahmt zu sein. Aber der Rest der Welt schläft nicht. Wenn wir es nicht schaffen, mit unserem Bildungssystem in die internationale Spitze vorzurücken, gefährden wir den Wohlstand unserer Kinder“, meint Wößmann.

Wößmann und Hanushek vergleichen die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts bei verbesserten Bildungsleistungen mit dem Status quo über den Rest des Jahrhunderts. Ihre Prognosen berücksichtigen auch die Dynamik von Bildungsreformen: Es dauert eine gewisse Zeit, bis Bildungspolitik und -programme angepasst werden. Bis diese Reformen sich dann in den Leistungen der Jugendlichen niederschlagen, vergeht ebenfalls Zeit. Die Wirtschaft wiederum wird sich erst anpassen, wenn die neuen, hochqualifizierten Arbeitskräfte einen spürbaren Anteil der Erwerbstätigen ausmachen. Weitere Projektionen betrachten Politikszenarien, welche die Leistungen speziell am unteren oder am oberen Ende des Spektrums verbessern oder die Kompetenzen von Schulabbrechern erhöhen. Sie bieten aber alle einen deutlich geringeren wirtschaftlichen Ertrag, als Verbesserungen, die das gesamte Leistungsspektrum erreichen.

Die Studie wurde für das Europäische Expertennetzwerk Bildungsökonomik (EENEE) verfasst, das vom ifo Zentrum für Bildungsökonomik zusammen mit dem Brüsseler Centre for European Policy Studies (CEPS) koordiniert wird, im Auftrag der Generaldirektion Bildung und Kultur der Europäischen Kommission.




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(tor) 03.12.2019