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Weltweite Studie: Mehrheit stimmt populistischen und nationalistischen Aussagen zu


Obwohl den Deutschen das Vertrauen in die politische Führung fehlt, wünschen sie sich zum Großteil keinen totalitären Führer (Grafik: Ipsos)

69 Prozent der Deutschen sind der Meinung, das Wirtschaftssystem werde zum Vorteil der Reichen und Mächtigen manipuliert. Das entspricht etwa dem weltweiten Durchschnitt (70 Prozent). Die Wahrnehmung, dass lokale Experten die Lebenssituation der gewöhnlichen Leute nicht verstehen, ist in der Bundesrepublik im Vergleich zu 2016 um 11 Prozent gestiegen. Deutschland bleibt jedoch eines von nur drei untersuchten  Ländern, in dem sich weniger als die Hälfte der Bevölkerung einen starken Führer wünscht; jeder zweite spricht sich ausdrücklich dagegen aus (48%). Das geht aus einer Ipsos-Studie hervor, in der über 18.000 Menschen in 27 Ländern befragt wurden. Darin zeigt sich, dass Vorstellungen über ein kaputtes politisches System auf globaler Ebene heute noch genauso verbreitet sind wie im Dezember 2016 – wenige Wochen nach der Wahl von US-Präsident Donald Trump und Monate, nachdem sich eine Mehrheit der Briten für den Austritt aus der Europäischen Union entschieden hat.

„Die Daten bestätigen die gravierenden politischen Umwälzungen, die wir in den letzten Jahren beobachten konnten“, sagt Dr. Robert Grimm, Leiter der Politik- und Sozialforschung bei Ipsos in Deutschland. „Tiefgehende ideologische Differenzen werden in vielen westeuropäischen Ländern offen gelebt und gegebenenfalls auch mit politisch motivierter Gewalt ausgetragen.“

In Deutschland ist das Bild zweideutig. Immer mehr Deutsche bezweifeln, von Experten verstanden, von Volksparteien vertreten und am Wohlstand beteiligt zu sein. „Andererseits sehen viele Deutsche, wohl auch auf Grund der tiefgehenden Erfahrung mit totalitaristischen Regimes, keine Lösung in einer starken Führungspersönlichkeit“, so Grimm weiter. „So treibt das Land in einer apathischen politischen Kultur von einer ungewollten Zweckkoalition zur nächsten, ohne konkret nach einem neuen Gesellschaftsvertrag zu suchen.“

Nationalistische Einstellungen gewinnen an Boden

Während die Gesamtzahl der populistischen Meinungen weltweit nahezu unverändert auf hohem Niveau geblieben ist, haben nationalistische Einstellungen noch an Boden gewonnen. Die Umfrage zeigt, dass populistische (Schweden, Südafrika, Argentinien, Indien) und nationalistische Tendenzen (Mexiko, Schweden, Japan) in einigen Ländern einen Anstieg verzeichnen, während sie in anderen (Israel, Italien, Ungarn, USA) zurückgegangen sind.

Eine Mehrheit der Bürger in den 27 befragten Ländern fühlt sich zudem von der „normalen Ordnung“ in ihrem Land ausgeschlossen, daran hat sich seit der Erhebung im Dezember 2018 kaum etwas geändert: 70% sagen, die Wirtschaft werde manipuliert, um die Reichen und Mächtigen zu begünstigen (plus 1 Prozentpunkt seit Dezember 2018) und 66% sind der Meinung, dass sich traditionelle Parteien und Politiker nicht um Menschen wie sie kümmerten (plus 2 Prozentpunkte). 54% halten zudem die Gesellschaft ihres Landes für zerrüttet (plus 4 Prozentpunkte).

In jedem Land der Welt außer in Schweden stimmt eine Mehrheit der Aussage zu, dass ihre Wirtschaft zugunsten der Reichen und Mächtigen manipuliert werde. Seit Dezember 2018 ist diese Ansicht in Schweden, Argentinien und Japan um jeweils 11 Prozentpunkte gestiegen. Die Zustimmung zu dieser Einstellung ist jedoch auch in einigen Ländern zurückgegangen: am meisten in Israel (15 Prozentpunkte) und in geringerem Maße in Ungarn und Serbien (jeweils 5 Punkte), sowie Mexiko und den USA (jeweils 3 Punkte).

Nur 11 Prozent der Menschen in den 27 Befragungsländern haben den Eindruck, dass traditionelle Politiker und Parteien sich um Menschen wie sie kümmerten. Seit 2016 ist die Wahrnehmung, von ihnen nicht mehr vertreten zu werden, in Südafrika (plus 13 Punkte) und Großbritannien (plus 11 Punkte) am stärksten angestiegen. Israel (minus 8 Punkte), Serbien und Italien (jeweils minus 5) verzeichnen dagegen einen Rückgang dieser Einschätzung.

Deutschland, Schweden und Japan sind nach wie vor die einzigen Ländern, bei denen die Zustimmung zu der Ansicht, das Land brauche einen starken Führer zum Schutz vor den Reichen und Mächtigen, unter 50 Prozent liegt. Allerdings hat die Einschätzung in Schweden mit einem Anstieg um 10 Prozentpunkte am stärksten zugenommen. In Italien (minus 8 Punkte) und Israel (minus 6 Punkte) wurde der größte Rückgang gemessen.

Die Ergebnisse stammen aus der Global Advisor Studie „Populist and Nativist Sentiment 2019“, die von 22. März bis 15. April 2019 in 27 Ländern durchgeführt wurde. Ipsos befragte im Rahmen der Online-Befragung 18.528 Erwachsene.



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(tor) 06.09.2019