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Nachhaltigkeitsbarometer

Klimaschutz verliert Zustimmung, Vorteile und glaubwürdige Belege zählen

Quelle: Noah Buscher/Unsplash

Die Mehrheit der Menschen in Deutschland unterstützt weiterhin einen konsequenten Klimaschutz. Gleichzeitig nimmt die Zustimmung zu Teilen der Nachhaltigkeitstransformation ab. Das zeigt das diesjährige Soziale Nachhaltigkeitsbarometer der Transformation der Bertelsmann Stiftung mit Sitz in Gütersloh und des Forschungsinstituts für Nachhaltigkeit am GFZ (RIFS) mit Sitz in Potsdam. Für die Studie wurden 6.566 Menschen ab 18 Jahren zwischen dem 23. März und 13. April 2026 online befragt.

Sorgen über Kosten und wirtschaftliche Folgen

80 Prozent der Befragten machen sich Sorgen über den Klimawandel. 54 Prozent sprechen sich für höhere staatliche Ausgaben für den Klimaschutz aus, 56 Prozent wünschen sich weitere Maßnahmen bei Energie-, Verkehrs- und Wärmewende. Im Vergleich zu früheren Erhebungen ist die Zustimmung jedoch zurückgegangen. Bei der Energiewende etwa lag sie vor fünf Jahren noch bei 69 Prozent, vor drei Jahren bei 65 Prozent. Heute befürworten sie 60 Prozent.

Ein wesentlicher Faktor sind finanzielle und wirtschaftliche Sorgen. 53 Prozent befürchten persönliche finanzielle Auswirkungen der Klimapolitik in den kommenden fünf Jahren. 39 Prozent rechnen mit gesamtwirtschaftlichen Wohlstandsverlusten. Gleichzeitig halten 79 Prozent den Umstieg privater Haushalte auf klimafreundliche Technologien ohne staatliche Unterstützung für nicht machbar.

Auch bei konkreten Maßnahmen spielen Kosten eine wichtige Rolle. Von denjenigen, für die ein klimaneutrales Heizsystem wie eine Wärmepumpe nicht infrage kommt, nennen 41 Prozent finanzielle Gründe als Hindernis. Bei der energetischen Gebäudesanierung sind es 52 Prozent.

Für Marken ist diese Entwicklung insbesondere deshalb relevant, weil Nachhaltigkeit zunehmend mit Fragen nach Preis, Nutzen und Alltagstauglichkeit verknüpft wird. Nachhaltigkeitsbotschaften allein dürften damit weniger tragen, wenn Konsument keinen konkreten Mehrwert oder keine wirtschaftlich tragfähige Lösung erkennen.

Vertrauen in die Umsetzung bleibt ein Problem

Auch die Wahrnehmung der politischen Kommunikation ist kritisch. 56 Prozent der Befragten empfinden die Politik zur Energiewende als eher unverständlich, 63 Prozent als bürgerfern. 55 Prozent geben an, wenig Vertrauen darin zu haben, dass die Bundesregierung den nachhaltigen Wandel im Interesse der Allgemeinheit gestaltet.

Besonders groß ist die Informationslücke beim Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität: Rund 85 Prozent fühlen sich darüber schlecht informiert. Die Studie zeigt zudem einen Zusammenhang zwischen fehlender Information beziehungsweise geringem Vertrauen und einer kritischeren Bewertung der politischen Ziele.

Die Befunde verweisen damit auf ein grundsätzliches Akzeptanzproblem: Unterstützung für Klimaschutz ist vorhanden, aber sie ist nicht unabhängig davon, wie Maßnahmen erklärt, umgesetzt und als gerecht wahrgenommen werden.

Wirtschaft und Klimaschutz kein Widerspruch

Eine grundsätzliche Abkehr vom Klimaschutz lässt sich aus den Ergebnissen dennoch nicht ableiten. 52 Prozent betrachten Wirtschaftswachstum und Klimaschutz als relativ gleichrangige Ziele. 44 Prozent sehen Investitionen in Klimaschutz bereits als Chance für die Wirtschaft. 59 Prozent sind der Ansicht, dass jetzt in Klimaschutz investiert werden sollte, um langfristig Kosten zu senken.

Auch bei erneuerbaren Energien bleibt die Zustimmung hoch. 78 Prozent befürworten einen höheren Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung. Der Ausbau von Windenergie vor Ort findet ebenfalls mehrheitlich Unterstützung. Rund ein Drittel derjenigen, die Windräder ablehnen, könnte sich durch eine finanzielle Beteiligung an den Erträgen aus Windstrom umstimmen lassen.

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vg 13.08.2026