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Autobauer: Deutsche Unternehmen schneiden bei Nachhaltigkeitsinitiativen überdurchschnittlich ab


Bei der Erfüllung globaler Nachhaltigkeitsstandards ist die Automobilbranche Unternehmen aus anderen Branchen voraus (Quelle: Capgemini)

Nachhaltigkeit ist in der Automobilbranche ein wichtiges Thema. 62 Prozent der Unternehmen verfügen bereits über eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie mit klar definierten Zielen und Zeitplänen, lediglich acht Prozent entwickeln momentan keine solche Strategie. Bei der Erfüllung globaler Nachhaltigkeitsstandards sind sie Unternehmen aus anderen Branchen sogar voraus. Nachhaltigkeitsexperten schreiben der Branche im Allgemeinen zu, dass sie bei der Sicherstellung der globalen Nachhaltigkeit entweder anderen Industrien voraus (46 Prozent) oder mit ihnen gleichauf (19 Prozent) ist. Was die deutsche Autobranche angeht, denken sogar 64 Prozent der Experten, dass sie weiter ist als andere Branchen, 18 Prozent sehen sie mit anderen gleichauf.

Es zeigt sich allerdings, dass die Umsetzung häufig noch keinem ganzheitlichen Ansatz folgt. So haben von den 74 Prozent der Automobilhersteller, die eine Elektrofahrzeugstrategie verfolgen, nur 56 Prozent eine solche als Teil ihrer Nachhaltigkeitsstrategie verankert.

Das geht aus der Studie des Capgemini Research Institute The Automotive Industry in the Era of Sustainability hervor, für die weltweit mehr als 500 Führungskräfte aus Automobilunternehmen und 300 Nachhaltigkeitsexperten befragt wurden.

Automobilunternehmen müssen investitionen verstärken

Die Studie zeigt, dass die Automobilindustrie bei ihren derzeitigen Investitionen einen Rückstand von 20 Prozent aufholen muss, um die festgelegten internationalen Klimaziele zu erreichen. Zudem können nur neun Prozent der analysierten Automobilunternehmen als "leistungsstarke Nachhaltigkeitsführer" eingestuft werden, 91 Prozent haben die Reife noch nicht erreicht und 26 Prozent von ihnen gelten als "Nachzügler".

Mehr als die Hälfte der führenden Unternehmen stammt aus Deutschland (28 Prozent) und den USA (26 Prozent); in der Regel sind dies große Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 25 Milliarden US-Dollar.

Automobilunternehmen fehlt oft ganzheitlicher Ansatz

Grundsätzlich lassen sich erhebliche länderspezifische Unterschiede bei den Nachhaltigkeitsinitiativen feststellen. Deutschland und die USA sind bei den meisten als prioritär eingestuften Initiativen führend wie bei der Unterstützung und Förderung der Kreislaufwirtschaft und der nachhaltigen Fertigung. Im Gegensatz dazu hinken die anderen Länder gleich bei mehreren der Initiativen hinterher wie bei Mobilität und digitale Dienstleistungen, umweltverträgliche Beschaffung von Metallen, Materialien und Produkten oder beim Thema Nachhaltigkeit in der IT.

Die Studie zeigt, dass die Autobranche sich in punkto Nachhaltigkeit zwar weiterentwickelt hat, es aber noch deutliches Verbesserungspotenzial gibt: So wurden die Fortschritte der Unternehmen bei 14 Initiativen analysiert, die alle Bereiche der Wertschöpfungskette abdecken. Diese reichen von der nachhaltigen F&E und Produktentwicklung bis hin zur Unterstützung und Förderung der Kreislaufwirtschaft. Die Gewichtung der verschiedenen Initiativen ist dabei sehr unterschiedlich: 52 Prozent der Unternehmen arbeiten zwar an Programmen zur Kreislaufwirtschaft, aber nur acht Prozent an der Nachhaltigkeit im IT-Bereich.

Milliardeninvestitionen notwendig, um Nachhaltigkeitsziele zu erreichen

Weltweit Investitionen von 50 Milliarden US-Dollar nötig, um Klimaziele zu erreichen

Nachholbedarf gibt es auch beim Thema Unternehmensführung, denn nur 44 Prozent der Unternehmen verfügen über ein zentrales Gremium, das sich der Überwachung von Nachhaltigkeitszielen widmet, und 45 Prozent geben ihren wichtigsten Führungskräften spezielle Ziele vor. Insgesamt haben nur 19 Prozent mindestens vier quantifizierbare Ziele, die auf Bereiche ausgerichtet sind, die sich am stärksten auf die Nachhaltigkeitsleistung auswirken (z.B. Abfallrecycling, Frischwasserverbrauch und ethische Arbeitsrichtlinien).

Damit Automobilunternehmen die internationalen Nachhaltigkeitsziele wie das Pariser Klimaabkommen oder den neuen europäischen 'Green Deal'erreichen, sind zusätzlich zu den derzeitigen Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie in Elektrofahrzeuge und Mobilitätsdienstleistungen weitere geschätzte 50 Milliarden US-Dollar notwendig, so die Studienautoren.

"Damit sich die Automobilbranche zu einer nachhaltigen und umweltfreundlicheren Industrie entwickeln kann, müssen Autofirmen das tatsächliche Potenzial von Elektrofahrzeugen ausschöpfen und Nachhaltigkeit im Unternehmen verankern. Darüber hinaus gilt es, stärker in die Kreislaufwirtschaft zu investieren, um von Kostenvorteilen und der Wiedervertertung von Ressourcen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu profitieren", sagt Sebastian Tschödrich, Vice President im Bereich Automotive bei Capgemini Invent.

Die Studie gibt eine Reihe von Empfehlungen, die auf den Erfahrungen von Automobilunternehmen basieren, die beim Thema Nachhaltigkeit führend sind:

  • Aufzeigen konkreter Fortschritte im Bereich Nachhaltigkeit durch Berichte mit unternehmensweit vergleichbaren Daten und standardisierten Kennzahlen.
  • Verfolgen der Nachhaltigkeit als unternehmensweite Mission.
  • Einführen einer Rechenschaftspflicht von Führungskräften und Investitionen in eine solide Unternehmensführung.
  • Planung und Umsetzung von Nachhaltigkeitsinitiativen entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Automobilindustrie.
  • Einsatz von Technologie, um die Nachhaltigkeit des Betriebs zu verbessern.
  • Allianzen und Partnerschaften stärken, um eine größere Wirkung zu erzielen.

Zur Methode der Studie

Für die Studie wurden im Zeitraum von November bis Dezember 2019 insgesamt 503 Führungskräfte von Automobilunternehmen aus neun Ländern befragt sowie elf Tiefeninterviews durchgeführt. Befragt wurden zudem 317 Nachhaltigkeitsexperten, darunter NGOs, Wissenschaftler und Aufsichtsbehörden, ergänzt durch neun Tiefeninterviews.

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(vg) 05.03.2020



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