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Nina Wüst gestaltet als Country Manager DACH die strategische Weiterentwicklung von Acast in Deutschland, Österreich und der Schweiz - Quelle: Acast

Auditive Markenführung

Podcasts: Vom Audio zum Omnichannel

Podcasts entwickeln sich 2026 zu einem Omnichannel-Medium: Audio, Video, Social und Live-Formate verschmelzen, unterstützt von Technologien und datenbasiertem Targeting, zu einem integrierten Marketingkanal. Was das für Werbetreibende bedeutet, erläutert Nina Wüst, Country Manager DACH bei Acast, in ihrem Beitrag für markenartikel:


Podcasts haben sich in den vergangenen Jahren von einem Nischenformat zu einem festen Bestandteil moderner Mediennutzung entwickelt. Mit wachsender Reichweite, steigender Professionalität und zunehmender Relevanz für Marken ist das Medium heute ein wichtiger Baustein im digitalen Marketingmix. 

Doch 2026 wird deutlich: Wer Podcasts erfolgreich einsetzen will, darf es nicht länger isoliert betrachten. Denn die eigentliche Stärke des Mediums liegt nicht mehr ausschließlich im Audioformat selbst. Vielmehr entwickeln sich Podcasts zu komplexen Medienmarken, deren Wirkung sich erst im Zusammenspiel verschiedener Kanäle vollständig entfaltet. Omnichannel ist damit keine Erweiterung, sondern die logische Weiterentwicklung des Podcasts.

Attention + Trust = Action

Im Zentrum dieser Entwicklung steht die Community. Podcasts ermöglichen eine enge Bindung zwischen Hosts und Hörern. Diese Form der Verbindung gilt als ein wesentliches Merkmal des Mediums und unterscheidet es von vielen anderen digitalen Kanälen. Podcasts werden zudem häufig über Kopfhörer konsumiert, was als besonders direkte und persönliche Form der Kommunikation wahrgenommen wird. Diese Nähe endet nicht mit der jeweiligen Episode. Communitys interagieren an den unterschiedlichsten Touchpoints: auf Social Media, in Videoformaten oder zunehmend auch in physischen Räumen. Plattformen wie Instagram, TikTok oder YouTube sind integraler Bestandteil der Podcast-Ökosysteme geworden. Sie dienen nicht nur der Reichweitenverlängerung, sondern vor allem der Interaktion und Community-Pflege.

Video-Podcasts: Die neue Sichtbarkeit

Parallel dazu gewinnt Video im Podcast-Kontext zunehmend an Bedeutung. Plattformen wie YouTube sowie die zunehmenden Video-Initiativen von Spotify und Apple verdeutlichen die visuelle Weiterentwicklung des Mediums. Für Creator eröffnet dies neue Möglichkeiten der Inszenierung und Verbreitung von Inhalten – etwa durch Video-Podcasts, visuelle Snippets oder ergänzende Behind-the-Scenes-Formate. Für Marken erweitert sich der Spielraum deutlich: Produkte können sichtbar integriert, Anwendungen direkt im Content demonstriert oder sogar bestehende Video-Spots sinnvoll eingebunden werden. Von nativen Integrationen bis hin zu klassischen Werbemitteln ist hier vieles möglich. Dadurch entsteht ein erweitertes Spielfeld, in dem Audio- und Video-Storytelling miteinander verschmelzen und Kampagnen ganzheitlich gedacht werden können.

Creator hautnah erleben

Ein weiterer zentraler Wachstumstreiber sind Live-Formate. Sie machen die Community physisch erlebbar und können die Beziehung zwischen Hosts und Publikum weiter vertiefen. Ein Beispiel aus Deutschland ist Mord auf Ex, das im vergangenen Jahr über 70.000 Zuschauer bei Live-Veranstaltungen erreichen konnte. 

Diese Entwicklung verdeutlicht das Potenzial des direkten Austauschs – sowohl für Creator als auch für Marken. Die enge Verbindung zwischen Hosts und Publikum wird häufig als ein Faktor für die Wirksamkeit von Podcast-Werbung angeführt. Insbesondere Host-Read Ads gelten im Audio-Advertising als wirksames Format. Sie sind kein Fremdkörper im Content, sondern Teil der Erzählung – persönlich, glaubwürdig und nahbar. Eine Studie von Acast und Attest, die auf Befragungen von Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren basiert, zeigt, dass über 70 Prozent der Hörer nach einer Host-Read Ad zumindest die Website eines Anbieters besucht haben und rund 60 Prozent sogar einen Kauf getätigt haben.

Technologie und Emotion

Die emotionale Bindung bleibt ein zentraler Erfolgsfaktor bei Podcasts, während die technologische Entwicklung dynamisch weiterentwickeln. Künstliche Intelligenz gewinnt dabei insbesondere im Targeting und der Kampagnenoptimierung an Bedeutung. In einem Umfeld, das zunehmend durch geschlossene Plattformen und regulatorische Vorgaben geprägt ist – insbesondere in der EU –, kann KI zu einer präziseren Zielgruppenansprache beitragen. Durch Datenpartner wie Comscore und Podchaser wird ein strukturierteres Matching zwischen Marken und Podcasts unterstützt.

Auch in der Produktion von Audio-Ads zeigt KI Potenzial: Bei standardisierten Spots mit Drittstimmen erreicht sie inzwischen eine Qualität, die kaum noch von menschlichen Sprechern zu unterscheiden ist. Wichtig ist, dass sie professionell eingesetzt und transparent gekennzeichnet wird.

Jedoch gibt es auch Grenzen der Technologie. Der Einsatz von KI bei Host-Read Ads ist kritisch, da Authentizität und persönliche Beziehungen entscheidend sind; synthetische Stimmen können diese Nähe nicht reproduzieren und riskieren, Vertrauen zu untergraben. Ähnliches gilt für die KI-gestützte Lokalisierung internationaler Podcasts, wo der Charakter verloren gehen kann, obwohl die technische Qualität stimmt. Ausnahmen sind News- und Informationsformate, bei denen Funktionalität wichtiger ist.

Technologie kann also zur Skalierung von Prozessen beitragen, jedoch nicht die emotionale Verbindung ersetzen, die als prägend für Podcasts gilt. Die strategische Ausrichtung für die Zukunft erfordert plattformübergreifendes Denken. Aus einzelnen Podcast-Episoden entstehen unterschiedliche Content-Assets – von Social Clips über Videoformate bis hin zu Live-Erlebnissen. Ziel ist es dabei, Reichweite zu maximieren, Interaktion zu fördern und die Community aktiv anzusprechen.

Für Marken bedeutet dies einen Wandel: Statt isolierter Kampagnen entstehen zunehmend integrierte Kommunikationsansätze, die Audio, Social, Video und Live verbinden. Podcasts fungieren dabei häufig als Ausgangspunkt für umfassendere Storytelling-Strategien.

Podcast first, but not only

Der Podcast-Markt ist dabei noch lange nicht ausgeschöpft. Die Kombination aus steigender Nutzung, technologischer Innovation und enger Community-Bindung macht ihn zu einem der dynamischsten Segmente im digitalen Marketing.

Die Zukunft des Podcasts liegt somit in der Fähigkeit, zwei zentrale Faktoren miteinander zu verbinden: Skalierbarkeit und Nähe. Omnichannel ist der Rahmen, der diese Verbindung ermöglicht – und damit der entscheidende Hebel für nachhaltigen Erfolg.

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vg 13.04.2026