Studien
Homeoffice bleibt – Gleichstellung bleibt zurück

Quelle: Jobmonitor
Trotz wirtschaftlicher Flaute bleibt Homeoffice in Deutschland fest etabliert. Der Anteil der Stellenanzeigen mit Remote‑Option liegt weiterhin bei rund 20 Prozent und damit auf dem Niveau des Vorjahres 2025. Das zeigt eine Auswertung von 79 Millionen Online‑Stellenanzeigen durch den Jobmonitor der Bertelsmann Stiftung. Besonders profitieren IT‑Berufe und männerdominierte Branchen. In frauendominierten Tätigkeiten dagegen bleibt das Potenzial ortsflexibler Arbeit weitgehend ungenutzt.
Homeoffice bleibt trotz Krise stabil
Vor der Corona‑Pandemie boten nur 3,7 Prozent der Stellenanzeigen Homeoffice an. Bis 2022 stieg der Anteil auf 16,8 Prozent, seit 2024 pendelt er sich bei etwa 20 Prozent ein. Auch die aktuelle Konjunkturschwäche hat daran nichts geändert. Für Arbeitsmarktexperte Gunvald Herdin ist das ein klares Signal: Das Homeoffice hat sich als dauerhafte Arbeitsform etabliert.
Ungenutzte Chancen für Gleichstellung
Die Analyse zeigt deutliche Unterschiede zwischen Berufsgruppen. In männerdominierten Tätigkeiten, allen voran in der IT, gehört Homeoffice längst zum Standard. In frauendominierten Berufen, die häufig auf direkten Kontakt mit Menschen angewiesen sind, bleibt die Option selten. Nur 13 Prozent dieser Berufe bieten Remote‑Möglichkeiten, bei männerdominierten sind es 22 Prozent. Besonders groß ist die Lücke bei akademischen Berufen: Während 46 Prozent der männerdominierten Tätigkeiten Homeoffice ermöglichen, sind es bei frauendominierten nur 22 Prozent.
Arbeitsmarktexpertin Michaela Hermann betont, dass Homeoffice ein wichtiges Instrument für die Vereinbarkeit von Beruf und Sorgearbeit sei, besonders für Eltern und Alleinerziehende. Doch ohne flexible Modelle in Bereichen wie Pflege, Erziehung oder Gesundheit bleibe das gleichstellungspolitische Potenzial begrenzt.
IT-Berufe dominieren die Homeoffice-Topliste
Unter den zehn Berufen mit der höchsten Homeoffice‑Quote stammen sieben aus der IT. In der IT‑Anwendungsberatung liegt der Anteil bei 69 Prozent, bei Netzwerkspezialist:innen bei 64 Prozent. Überraschend stark aufgeholt haben Steuerberater:innen: 67 Prozent der Stellenangebote nennen inzwischen Remote‑Optionen – ein Plus von 61 Prozentpunkten seit 2019.
Insgesamt bleibt Homeoffice vor allem höher qualifizierten Beschäftigten vorbehalten. 35 Prozent der Akademiker:innen können remote arbeiten, aber nur vier Prozent der Helfer:innen.
Stuttgart führt das Städteranking an
In Großstädten liegt die Homeoffice‑Quote bei 28 Prozent. Spitzenreiter ist Stuttgart mit 38 Prozent, gefolgt von Düsseldorf (37 Prozent) und Frankfurt am Main (36 Prozent). In ländlichen Regionen, etwa in Mecklenburg‑Vorpommern, ist Homeoffice dagegen selten, da dort weniger Branchen vertreten sind, die ortsunabhängiges Arbeiten ermöglichen.
Über die Studie
Für die Untersuchung wurden rund 79 Millionen Online‑Stellenanzeigen aus den Jahren 2019 bis 2025 ausgewertet. Berufe gelten als männer‑ oder frauendominiert, wenn der jeweilige Geschlechteranteil über 70 Prozent liegt.
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