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Steffanie Rainer ist Gründerin und Geschäftsführerin der Reo GmbH in Heilbronn - Quelle: Reo GmbH

Start-up-Serie

Reo: "Mehrweg ist kein Retro"

In der Serie 'Durchstarten' stellen wir junge Unternehmen vor und befragen deren Macher zu ihrer Geschäftsidee. Dieses Mal: das Start-up Reo aus Heilbronn, das ein zirkuläres Mehrweg-  system für Kosmetikverpackungen entwickelt hat:



Das bin ich: 
Ich bin Steffanie Rainer, Gründerin und Geschäftsführerin der Reo GmbH in Heilbronn – Mutter von zwei Kindern, mit einem Herz für Kreislaufwirtschaft und einer ausgeprägten Abneigung gegen Einwegverpackungen. Aufgewachsen in einer Stanzerei, studierte ich später Hospitality Management und war dann einige Jahre in der Projektleitung in der Automobilindustrie tätig. Heute baue ich mit Reo ein Green-Tech-Start-up für zirkuläre Verpackungssysteme auf. 

Das ist die Geschäftsidee meines Unternehmens:
Reo ist eine digitale Mehrwegplattform für individuelle Kosmetik- und Personal-Care-Verpackungen. Wir unterstützen Marken und Handel, wiederverwendbare Verpackungen in den Alltag zu integrieren, indem wir Verpackungen digitalisieren, Mehrwegprozesse organisieren und alle Beteiligten über eine smarte Plattform vernetzen. 

Das hat mich zu dieser Geschäftsidee gebracht:
Gestartet hat alles 2021 in meiner Elternzeit mit meiner eigenen nachhaltigen Shampoo-Marke Without Me – inklusive eigenen Nachfüllstationen und RFID-System. Sehr schnell wurde klar: Das eigentliche Problem liegt weniger im Produkt im Regal als in der fehlenden Infrastruktur für echte Kreislaufmodelle im Handel. Aus der Ein-Marken-Lösung ist so Schritt für Schritt die Idee entstanden, eine markenübergreifende Mehrwegplattform zu bauen, die ganze Kategorien verändern kann.

Quelle: Reo GmbH

Das war unser bislang größter Erfolg:
Unser größter Erfolg ist, dass wir aus einer Elternzeit-Idee ein wachsendes Impact-Start-up mit einem starken Kernteam und relevanten Pilotprojekten gemacht haben. Besonders stolz macht uns, dass namhafte Handels- und Markenpartner uns ihr Vertrauen schenken und mit uns Mehrwegsysteme im echten Live-Betrieb testen, statt nur über Nachhaltigkeit zu sprechen. 

Das war unsere bislang größte Herausforderung:
Die Verpackungsindustrie ist ein klassisches dickes Brett – viele Stakeholder, komplexe Prozesse, hohe regulatorische Anforderungen und wenig Lust auf Veränderung. Unsere größte Herausforderung war und ist, all diese Akteure an einen Tisch zu holen und zu zeigen, dass Mehrweg nicht romantische Öko-Idee, sondern ein wirtschaftlich sinnvolles, skalierbares System sein kann. 

Das war mein bisher größtes Learning:
Nachhaltige Innovation ist kein Sprint, sondern ein Marathon mit gelegentlichen Hürdenläufen zwischendurch. Das wichtigste Learning: Am Ende überzeugen nicht die lautesten Visionen, sondern konkrete Piloten, saubere Daten und Lösungen, die sich nahtlos in bestehende Prozesse integrieren lassen. 

Das treibt uns an:
Reo gibt es, weil Verpackungen heute einen enormen ökologischen Fußabdruck haben – und weil es schlicht keinen Sinn ergibt, hochwertige Verpackungen nach einmaliger Nutzung wegzuwerfen. Uns treibt die Vision an, dass Konsumenten Mehrweg nutzen, ohne darüber nachdenken zu müssen, weil das System im Hintergrund so einfach, transparent und bequem funktioniert. 

Das ist unser Motto:
From Waste to Value – wir machen aus vermeintlichem Müll eine wertvolle Ressource im Kreislauf. Oder etwas alltagstauglicher: Weniger Abfall, mehr Kreislauf – Schritt für Schritt. 

Das sind meine Vorbilder:
Mich inspirieren Unternehmer, die gegen Widerstände an nachhaltigen Lösungen festhalten und ganze Branchen umbauen – statt nur ein grünes Produkt ins Regal zu stellen. Gleichzeitig habe ich großen Respekt vor all den Menschen im Mittelstand, die seit Jahrzehnten Verantwortung übernehmen und trotzdem offen für neue Wege bleiben. 

Das sind unsere Geldgeber:
Reo wurde in der frühen Phase klassisch durch Business-Angel-Netzwerke, Förderprogramme und Innovations-Ökosysteme rund um Heilbronn unterstützt. Heute arbeiten wir zusätzlich mit Partnern zusammen, die nicht nur Kapital, sondern vor allem Zugang zu Märkten, Know-how und Netzwerke im Handel und Konsumgüterbereich mitbringen. 

Das können etablierte Markenartikler von Start-ups lernen:
Etablierte Markenartikler können von Start-ups lernen, schneller zu testen, Fehler als Lernschleifen zu sehen und Kunden früh in die Entwicklung einzubeziehen. Statt drei Jahre an der perfekten Lösung zu feilen, hilft es oft, mit einem mutigen Pilotprojekt zu starten, Daten zu sammeln und das System gemeinsam mit dem Markt weiterzuentwickeln. 

Das können Start-ups von etablierten Markenartiklern lernen:
Start-ups können sich abschauen, wie man Marken über Jahrzehnte konsistent aufbaut und Vertrauen gewinnt – gerade in regulierten, sensiblen Bereichen wie Kosmetik oder Food. Außerdem lohnt sich der Blick auf robuste Prozesse in Qualitätssicherung, Supply Chain und Compliance, um Innovation langfristig stabil aufzustellen. 

Das kann Deutschland beim Thema Start-ups von anderen Ländern lernen:
Deutschland darf beim Thema Gründung entspannter werden – weniger Bürokratie, mehr Experimentierfreude und eine positivere Fehlerkultur wären ein guter Anfang. Andere Länder sind deutlich schneller, wenn es darum geht, neue Geschäftsmodelle in regulierten Branchen zu testen und zeitlich begrenzte Sandboxes für Innovation zu schaffen. 

Das wünsche ich mir von der Politik:
Für impact-orientierte Start-ups wie Reo wünsche ich mir klare, langfristige Rahmenbedingungen: verlässliche Regulierung pro Kreislaufwirtschaft, weniger Einweg-Subventionen und mehr Anreize für Mehrweg. Dazu gehören pragmatische Förderprogramme, vereinfachte Pilotgenehmigungen im Handel und ein konsequenter Vorrang für zirkuläre Modelle in öffentlichen Ausschreibungen. 

Das sind unsere Pläne für die Zukunft: 
Reo soll die relevante Mehrweg-Infrastruktur für den Personal-Care-Bereich in Europa werden – markenübergreifend, digital und für Handel wie Verbraucher wirklich einfach. Konkret arbeiten wir daran, unsere Plattform mit weiteren Handelsstandorten, Dienstleistern und Markenpartnern zu verknüpfen und Mehrweg in immer mehr Regionen vom Pilot zur Normalität zu machen. 

Das sorgt für Entspannung und Ablenkung vom Arbeitsalltag:
Am besten abschalten kann ich, wenn ich mit meinen Kindern draußen bin – idealerweise weit weg von Verpackungen, die in der Natur nichts verloren haben. Und wenn es doch mal ganz laut im Kopf wird, helfen gute Gespräche mit anderen Gründern, die wissen, wie es sich anfühlt, dicke Bretter zu bohren. 

Das wollte ich immer schon einmal sagen:
Nachhaltigkeit ist kein Lifestyle-Accessoire, sondern harte, manchmal unbequeme Umsetzungsarbeit – aber genau darin liegt die Chance, echte Veränderung zu schaffen. Und: Mehrweg ist kein Retro-Trend aus der Glasflaschen-Nostalgie, sondern eine der wichtigsten Antworten auf die Frage, wie wir Konsum und Ressourcenverbrauch wieder in ein gesundes Verhältnis bringen. 

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vg 29.05.2026