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Nachhaltigkeit: Wie kommen wir vom Wissen zum Handeln?


Wir alle wissen, was getan werden müsste, um die Zerstörung des Planeten abzuwenden. Strom sparen. Bewusster heizen. Weniger Auto fahren. Vor allem mit einem kleineren Auto, das nicht so viel Sprit verschleudert. Nicht fliegen. Mehr Bio kaufen. Weniger Fleisch essen. Zu Ökostrom wechseln. Natürlich: Müll trennen.

Nur: Wir sind empört, doch unsere Empörung erschöpft sich darin, dass wir uns eben empören – und dann keinen Finger rühren. Zuletzt befanden 93 Prozent in einer Umfrage den Ausbau der regenerativen Energie für wichtig oder sehr wichtig. Zu einem Ökostromanbieter wechselt aber nur ein Drittel. 80 Prozent sagen, sie seien für artgerechte Tierhaltung. Aber Bio-Schweinefleisch beispielsweise hat einen Marktanteil von 0,8 Prozent (richtig: nahe null). Und trotz der aktuellen Ökomoraldebatte fliegen die Deutschen heute so viel wie nie zuvor. Offenbar hat Wissen mit Handeln nicht viel zu tun.

Warum tun wir aber nicht, von dem wir alle ziemlich genau wissen, was getan werden sollte? Warum drehen wir nicht durch, wenn unser Verhalten sich ständig in Widersprüche verwickelt? In der Psychologie gibt es den Begriff der kognitiven Dissonanzen: Unser Gehirn versucht, den Widerspruch zwischen hehrer (Selbst-)Erwartung und profaner Wirklichkeit irgendwie in Einklang zu bringen.

Das Phänomen kennen wir aus dem Alltag: "Eigentlich sollte ich joggen gehen, um fit zu bleiben – aber heute ist es zu kalt/zu heiß/könnte es regnen/bin ich zu müde/habe ich gerade keine Zeit." Genauso reklamieren wir eine individuelle Ausnahmegenehmigung, wenn es um ökokorrektes Verhalten geht: "Natürlich macht Autofahren das Klima kaputt und verbraucht Erdöl – aber ich brauche das Auto, weil es zu kalt zum Radfahren ist/es zu heiß zum Radfahren ist/es regnen könnte und ich daher nicht Fahrrad fahren will/mein Fahrrad einen Platten hat/ich zu spät dran bin und daher nicht Fahrrad fahren kann/heute (ausnahmsweise!) einmal keine Lust auf Radfahren habe." Man sollte, tut es aber nicht. Ich könnte wissen, dass morgen die Welt untergeht, aber trotzdem so weitermachen wie bisher. Nach der Devise: Es ist alles ganz schrecklich mit der Klimakatastrophe und der kriminellen Brandrodung der Regenwälder, aber dieses Rindfleischsteak ist so lecker.

Fragmentierung der Verantwortung

Bisweilen mögen wir unser Verhalten vielleicht noch als inkonsequent empfinden, aber auch für dieses Unbehagen hat das Gehirn eine Entschuldigung parat: Die anderen sind noch schlimmer – und daher wiegen meine eigenen Sünden weniger schwer: "Ich sitze zwar auch im Flugzeug auf die kanarischen Inseln und weiß, dass ich das Klima kaputtmache – aber die anderen hier denken noch nicht einmal darüber nach, dass sie den Planeten zerstören!"

Eines wird deutlich: Beim Thema Weltrettung schieben wir die Verantwortung gerne ab. Langsam muss damit aber Schluss sein, sagt Dr. Wolfgang Gründinger, u. a. Botschafter der Stiftung Generationengerechtigkeit, European Digital Leader des World Economic Forum und assoziiertes Mitglied im Think Tank 30 des Club of Rome sowie Beirat von Scientists for Future. In seinem Gastbeitrag in markenartikel 11/2019 erklärt er, warum wir Strukturen brauchen, um nicht nur bloß gut handeln zu wollen, sondern auch gut zu handeln. Zur Bestellung geht es hier.



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(vg) 19.11.2019