Edeka, Tegut und Co.
Lebensmittelhandel: Monopolkommission warnt vor zunehmender Konzentration
Die Übernahme von 178 Tegut-Filialen durch Edeka rückt die Konzentration im deutschen Lebensmitteleinzelhandel erneut in den Fokus. Die Monopolkommission warnt vor einer weiteren Verfestigung der Marktstrukturen und sieht Auswirkungen auch auf die Verhandlungsposition von Herstellern.
Nach den Analysen der Monopolkommission kontrollieren Edeka, Rewe, die Schwarz Gruppe mit Lidl und Kaufland sowie Aldi zusammen rund 85 Prozent des deutschen Lebensmitteleinzelhandels. Die Konzentration habe in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich zugenommen, unter anderem infolge zahlreicher Unternehmenszusammenschlüsse.
Die Monopolkommission verweist zugleich auf die zunehmende vertikale Ausrichtung des Handels. Die großen Handelsunternehmen weiten ihre Aktivitäten auf vorgelagerte Stufen der Wertschöpfungskette aus, unter anderem über Eigenmarken und eigene Produktionsaktivitäten. Dadurch könne sich ihre Verhandlungsposition gegenüber Herstellern weiter verstärken.
Hersteller geraten stärker unter Druck
Für Markenhersteller ist insbesondere die Nachfragemacht des Handels relevant. Nach Einschätzung der Monopolkommission sind einige Lieferanten von den großen Handelsgruppen abhängig und können nicht ohne Weiteres auf andere Abnehmer ausweichen. Dies könne die Möglichkeiten für die Händler erhöhen, Konditionen durchzusetzen.
Die Kommission sieht zudem ein Problem darin, dass Lieferanten Konflikte mit ihren großen Abnehmern teilweise scheuen. Dadurch werde es für Behörden schwieriger, möglichen Missbrauch von Nachfragemacht zu erkennen und zu verfolgen.
Forderung nach genauerer Prüfung von Zusammenschlüssen
Die Monopolkommission empfiehlt, künftige Fusionen stärker mit Blick auf die gesamte Lebensmittel-Lieferkette zu prüfen. Eine Betrachtung allein der unmittelbaren Wettbewerber auf Handelsstufe greife angesichts der zunehmenden Aktivitäten des Handels in vorgelagerten Bereichen zu kurz. Zudem spricht sich die Kommission für systematische nachträgliche Bewertungen bereits vollzogener Zusammenschlüsse aus.
Das zugrunde liegende Sondergutachten 84 Wettbewerb in der Lebensmittellieferkette wurde bereits im November 2025 veröffentlicht. Die aktuelle Diskussion um die Edeka-Übernahme der 178 Tegut-Standorte knüpft an die darin beschriebene Entwicklung der Marktkonzentration an.
Markenverband warnt vor wachsender Handelsmacht
Der Markenverband bewertete das Gutachten der Monopolkommission zur Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel schon damals als Warnsignal. Nach Einschätzung des Verbands verzerrt die wachsende Nachfragemacht großer Handelskonzerne den Wettbewerb. Kritisiert werden insbesondere die asymmetrische Weitergabe von Kostenveränderungen, die zunehmende vertikale Integration des Handels und Defizite bei der Fusionskontrolle.
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